Neues Medizinstudium: Erste Erfahrungen mit einjähriger Probephase

9. Oktober 2002, 11:30
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Von 150 Studierenden schafften 107 die Prüfung am Ende des ersten Abschnitts - Mediziner halten an Forderung nach Platzbeschränkung fest

Wien - Für das Medizin-Studium in Wien, Graz und Innsbruck gelten ab diesem Studienjahr völlig neue Studienpläne. An der Universität Wien hat man erste Erfahrungen mit dem neuen Curriculum bereits im Vorjahr sammeln können: 150 Studenten haben in einer Probephase ein Jahr nach dem völlig neuen Lehrplan studiert. Die erste - und einzige - entscheidende Prüfung am Ende des zwei Semester umfassenden ersten Studienabschnitts haben 107 Studierende geschafft, wie die Medizinische Fakultät auf Anfrage der APA mitteilte.

376 Studierende haben sich am Beginn des vergangenen Studienjahres für das neue Medizin-Studium angemeldet, 150 davon wurden nach dem Zufallsprinzip ausgewählt. Das neue Curriculum sieht nur noch fünf Prüfungen mit Entscheidungscharakter (sogenannte Summativ Integrierte Prüfungen, SIP) vor statt 23 in der alten Studienordnung. Für den Übertritt in den jeweils nächsten Abschnitt müssen alle vorgeschriebenen SIP absolviert werden, im ersten Studienabschnitt ist das eine SIP.

80 von 139 Studenten schafften "SI- Prüfung"

Zur ersten SIP sind Ende Juni 139 Medizinstudenten angetreten, 80 davon haben positiv abgeschlossen. Zum zweiten Termin für die SIP sind 53 Studenten (viele davon zum zweiten Mal) angetreten, 27 davon kamen durch. Jene 43 Studenten, die nicht durchkamen, haben bei einem Termin im November eine weitere Chance. Künftig soll die Vergabe der praxisnahen Ausbildungsplätze ab dem zweiten Abschnitt von den Leistungen in der SIP zum ersten möglichen Prüfungstermin abhängen. Von der Medizinischen Fakultät angestrebt wird eine Beschränkung auf 570 Plätze, auf expliziten Wunsch des Bildungsministeriums wurde der neue Studienplan aber noch ohne Limitierung eingeführt - im Gegensatz zu Graz und Innsbruck, wo ab dem zweiten Abschnitt Platzbeschränkungen möglich sind.

Allgemeine Stoffreduktion

Eine Evaluierung der Organisation und der Lern-Inhalte im ersten Studienjahr hat nun eine allgemeine Reduktion des Stoffumfangs sowie eine Optimierung der Prüfungsfragen für die schriftlichen Prüfungen zur Folge. Aber auch nach der Stoffreduktion werde das von den Studierenden vielfach als schwerer eingestufte neue Medizinstudium "insbesondere im ersten Studienabschnitt höhere Anforderungen an die Studenten stellen als das alte Curriculum", erklärte der Vorsitzende der Studienkommission, Rudolf Mallinger. Bewährt hätten sich die sogenannten Formativ Integrierten Prüfungen, die keinen Entscheidungscharakter haben, sondern zur persönlichen Kontrolle des Lernfortschritts dienen sowie die Lehrveranstaltungen mit immanentem Prüfungscharakter.

Zugang im zweiten Jahr nur noch für 570 Studenten

An ihrer Forderung nach einer Platzbeschränkung ab dem zweiten Abschnitt halten die Wiener Mediziner fest. Angesichts von zu erwartenden durchschnittlich 1.200 Studienanfängern pro Jahr bleibe "die Problematik der notwendigen Limitierung der praxisnahen Ausbildungsplätze bestehen", sagte Mallinger. Dieses Kapazitätsproblem müsse spätestens im Herbst 2003 gelöst sein, Wien werde hier keine Ausnahme bleiben können. "Für mehr als 570 Ausbildungsplätze ab dem zweiten Jahr gibt es keinen Platz, wir können schließlich nicht für die praxisnahe Ausbildung am Patientenbett die Patientenzahl erhöhen oder mehr Zahnbehandlungsplätze öffnen", so Mallinger.(APA)

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