Seelische Gesundheit muss gepflegt werden ...

11. Oktober 2002, 18:48
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... und ist Vorbedingung für gesunden Lebensstil - Fonds Gesundes Österreich will psychische Erkrankungen enttabuisieren

Wien - Der 10. Oktober steht im Zeichen der seelischen Gesundheit, seit die Weltgesundheitsorganisation WHO dieses Datum im Jahr 1992 zum "Tag des Psychischen Wohlbefindens" erklärt hat. In diesem Jahr geht es speziell um die Auswirkungen von Gewalt und Traumatisierung auf Kinder und Erwachsene. Der Fonds Gesundes Österreich betonte in einer Aussendung am Mittwoch, dass seelische Gesundheit die Vorbedingung für einen gesunden Lebensstil sei.

Bis zu 30 Prozent der Erwachsenen leiden unter psychischen Belastungen

"Aus dem Blickwinkel der Gesundheitsförderung muss die seelische Gesundheit in den unterschiedlichen Lebensbereichen viel stärker berücksichtigt werden", erklärte der Geschäftsführer der Organisation, Dennis Beck. "Umfassendes Wohlbefinden hängt nicht allein von biomedizinischen Faktoren ab, sondern wird auch stark durch die psycho-sozialen Umstände beeinflusst", fügte er hinzu. In Fachkreisen werde geschätzt, dass 25 bis 30 Prozent der erwachsenen Bevölkerung unter psychischen Belastungen - psychogene Schwankungen und Erkrankungen - leide. Doch im Alltag werde die Problematik psychischer Erkrankungen tabuisiert und werden seelische Belastungen oft nicht ernst genommen.

Gegensteuern will Beck durch Information und Aufklärung: "Den ÖsterreicherInnen muss bewusst gemacht werden, dass seelisches Wohlbefinden für einen gesunden Lebensstil unverzichtbar ist". So sollten in österreichischen Betrieben neben ArbeitsmedizinerInnen und Sicherheitsfachkräften auch PsychologInnen eingesetzt werden, die sich des seelischen Wohls der ArbeitnehmerInnen annehmen. Für Betroffene müsse eine ausreichende psychotherapeutische Versorgung auf Krankenschein gewährleistet sein, es dürfe nicht auf deren Kosten gespart werden. Vor allem im ländlichen Raum beobachtet Beck Versorgungslücken.

Folgeschäden

"Neben dem individuellen Leid sind die Folgeschäden psychischer Erkrankungen auch ein wesentlicher Kostenfaktor, da es zu Belastungen und Einschränkungen in der Lebensführung und in der Lebensqualität der Betroffenen sowie ihrer Angehörigen kommt", warnte Dr. Maria Schmidt, Gesundheitswissenschafterin, Psychologin und Gesundheitsreferentin des Fonds Gesundes Österreich.

Gewalt gegen Frauen nimmt zu

Als bedenkliche Indikatoren wertet sie das steigende Aggressionspotenzial bei Kindern und Jugendlichen sowie zunehmende Gewalt gegen Frauen. Ein weiteres Alarmzeichen sei der - im Vergleich zu Männern - dreifach höhere Psychopharmakakonsum bei Frauen: "Geschlechtsspezifische Gesundheitsrisiken müssten besser erforscht werden, um eine Grundlage für politische Aktionsprogramme zu bekommen", erklärte Maria Schmidt.

Der Fonds Gesundes Österreich werde die seelische Gesundheit im nächsten Jahr verstärkt in den Mittelpunkt seiner praktischen und wissenschaftlichen Aktivitäten stellen und durch Projekte untersuchen, wie man die individuellen und sozialen Ressourcen der Menschen, z.B. von Frauen und Jugendlichen, im Umgang mit seelischen Belastungen stärken kann. (APA)

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