Wirtschaftskammer auf der Suche nach Lehrstellen

9. Oktober 2002, 09:30
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60.000 Mitgliedsbetriebe sollen zur Schaffung von mehr Ausbildungsplätzen motiviert werden

Wien - Die Wirtschaftskammer (WKÖ) wird in den nächsten Wochen Zehntausende ihrer Mitgliedsbetriebe kontaktieren, um diese zur Schaffung zusätzlicher Lehrstellen zu motivieren. Rückenwind für die Überzeugungsarbeit erhofft man sich durch die neue Ausbildungsprämie, die vor drei Wochen im Rahmen des Konjunktur- und Beschäftigungspakets beschlossen worden ist. Mit der Aktion werde man rund zwei Drittel der von der Statistik ausgewiesenen Lehrstellenlücke stopfen können, schätzt Wirtschaftskammer-Generalsekretär Reinhold Mitterlehner.

Zwischen 14. und 20. Oktober wird die Wirtschaftskammer hauptsächlich jene 11.000 Unternehmen direkt ansprechen, die Lehrlinge ausbilden können, dies zuletzt aber nicht oder nicht mehr in früherem Umfang getan haben. Über ein Mailing will man alle 46.000 ausbildenden Betriebe dazu animieren, zusätzliche Lehrstellen zu schaffen. Unterstützung und Beratung dabei wird es über eine Telefon-Hotline (800 221 221) geben, versprachen Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl und Mitterlehner am Dienstagabend vor Journalisten.

2.000 Lehrstellen realistische Größe

Per Ende September entfielen laut AMS auf rund 6.100 Lehrstellensuchende österreichweit knapp 3.000 offene Lehrstellen. "Dass wir für 2.000 Jugendliche etwas finden können, ist eine realistische Größe", sagte Mitterlehner. Leitl wollte sich nicht auf Zahlen festlegen, meinte aber: "Mir ist wichtig, dass niemand, der will und kann, übrig bleibt." Für Jugendliche mit gravierenden Ausbildungsmängeln soll die künftige Regierung Lehrgänge schaffen, in denen Qualifikationen nachgeholt werden können, fordern die Sozialpartner. Rund 10 bis 20 Prozent der Lehrstellensuchenden leiden an offenkundigen Defiziten beim Lesen, Schreiben und Rechnen, wird geschätzt.

Laut einer von der WKÖ in Auftrag gegebenen Umfrage unter den 11.000 nicht oder vermindert ausbildenden Betrieben geht hervor, dass rund zwei Drittel der Lehrausbildung grundsätzlich positiv gegenüberstehen und dass die derzeitige Wirtschaftslage und "zu hohe Kosten" die größten Hindernisse für die Schaffung von Lehrstellen darstellen. Die vor kurzem eingeführte 1.000-Euro-Prämie pro Lehrling und Jahr, mit der Unternehmen der Berufsschulbesuch abgegolten werden soll, wird zumindest das Kostenargument entkräften, meint die Wirtschaftskammer. Durch die Lehrlingsprämie und andere Maßnahmen des Mitte September vorgestellten Konjunkturpakets, ist in der nun beendeten Legislaturperiode die Hälfte der versprochenen Lohnnebenkostensenkung umgesetzt worden, schätzt Leitl.

Um bereits den Schülern mehr Wissen über die Wirtschaft zu vermitteln, wird ab Sommer 2003 ein so genannter "Unternehmerführerschein" angeboten - ein Zusatzzertifikat auf freiwilliger Basis, das bei der späteren Jobsuche unterstützen und bei Firmengründungen helfen soll. Zielgruppe des in drei Modulen aufgebauten Systems sind Schüler der Hauptschulen und der AHS. Die Zusatzqualifikation über grundlegende wirtschaftliche Kenntnisse wird künftig auch Fördervoraussetzung bei der Neugründung von Unternehmen werden.(APA)

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