Nicht schon wieder Chiffonbluse!

9. Oktober 2002, 09:17
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YSL, Louis Vuitton und Stella McCartney bei den Pariser Schauen. Von Peter Bäldle aus Paris

Tom Ford, Creative Director von Gucci und Yves Saint Laurent, ist noch immer der Designer, der die Mode für die beiden begehrtesten Labels der Welt entwirft. Doch ob die Frauen auch seinen jüngsten Einfällen folgen werden, vorgestellt während der Pariser Designerpräsentationen für Frühjahr/Sommer 2003, bleibt abzuwarten. Denn unter schleierzartem Chiffon trugen Fords Mädchen bloße Haut zu schwarzen Satinröcken oder pastelligen Cocktailkleidern. Die Brustwarzen waren schwarz bepinselt, was wohl "angezogener" wirken sollte. Auch die Corsagen an Abendkleidern waren fallweise so großzügig ausgeschnitten, dass sie in der Bewegung eine Brust freilegten.

Dahinter steckte die Lust an der Provokation, die Saint Laurent meisterlich beherrscht hatte. Schließlich hatte er in den 70ern die ersten durchsichtigen Blusen kreiert und versucht, mit einer legendären Vierziger-Jahre-Kollektion breite Schultern zu pushen. Sie waren nun auch bei Ford wieder ein Thema an knapp taillierten Kurzblazern, die er über raffinierte Drapékleider aus malvenfarbenem Satin zog. Hollywood-Diva Lana Turner hatte so etwas in ihren Filmen in den Forties getragen.

Auch Marc Jacobs hatte für Louis Vuitton Hollywood im Visier, mochte dabei aber eher an Doris Day gedacht haben. Kamillengelbe Kreppkostüme hatten steife Rüschen an den Kanten, graue Taftröcke spielten mit feinen Samtbändern und Schleifchen als Saumzier. Dazu kombinierte er himmelblaue Strickwestchen und Spitzenpullis in Altrosa, die jenen altmodisch-wehmütigen Charme verströmten, der einen beim Durchblättern alter Bravo-Hefte anspringt. Die Laufstegmusik sang dazu ganz aufgeregt "Teenage-Opera", was kurze Kleider mit ausgeschnittenen und aufgenähten Blüten bestätigten.

Was man unter junger Mode verstehen könnte, darüber scheinen die Meinungen weit auseinander zu gehen. Stella McCartney zeigte pludrige Spielshorts für erwachsene Mädchen und entwickelte kürbisrunde Kleider, so leicht wie Lampions, aus den eiförmigen Blousonschnitten der Achtzigerjahre.

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    Tom Ford für Yves Saint Laurent Rive Gauche

    Tom Ford, Creative Director von Gucci und Yves Saint Laurent, ist noch immer der Designer, der die Mode für die beiden begehrtesten Labels der Welt entwirft. Doch ob die Frauen auch seinen jüngsten Einfällen folgen werden, vorgestellt während der Pariser Designerpräsentationen für Frühjahr/Sommer 2003, bleibt abzuwarten. Denn unter schleierzartem Chiffon trugen Fords Mädchen bloße Haut zu schwarzen Satinröcken oder pastelligen Cocktailkleidern.

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    Die Brustwarzen waren schwarz bepinselt, was wohl "angezogener" wirken sollte. Auch die Corsagen an Abendkleidern waren fallweise so großzügig ausgeschnitten, dass sie in der Bewegung eine Brust freilegten.

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    Dahinter steckte die Lust an der Provokation, die Saint Laurent meisterlich beherrscht hatte. Schließlich hatte er in den 70ern die ersten durchsichtigen Blusen kreiert und versucht, mit einer legendären Vierziger-Jahre-Kollektion breite Schultern zu pushen. Sie waren nun auch bei Ford wieder ein Thema an knapp taillierten Kurzblazern, die er über raffinierte Drapékleider aus malvenfarbenem Satin zog. Hollywood-Diva Lana Turner hatte so etwas in ihren Filmen in den Forties getragen.

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    Marc Jacobs für Louis Vuitton

    Auch Marc Jacobs hatte für Louis Vuitton Hollywood im Visier, mochte dabei aber eher an Doris Day gedacht haben. Kamillengelbe Kreppkostüme hatten steife Rüschen an den Kanten, graue Taftröcke spielten mit feinen Samtbändern und Schleifchen als Saumzier. Dazu kombinierte er himmelblaue Strickwestchen und Spitzenpullis in Altrosa, die jenen altmodisch-wehmütigen Charme verströmten, der einen beim Durchblättern alter Bravo-Hefte anspringt. Die Laufstegmusik sang dazu ganz aufgeregt "Teenage-Opera", was kurze Kleider mit ausgeschnittenen und aufgenähten Blüten bestätigten.

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    Stella McCartney

    Was man unter junger Mode verstehen könnte, darüber scheinen die Meinungen weit auseinander zu gehen. Stella McCartney zeigte pludrige Spielshorts für erwachsene Mädchen ...

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    ... und entwickelte kürbisrunde Kleider, so leicht wie Lampions, aus den eiförmigen Blousonschnitten der Achtzigerjahre. (Peter Bäldle aus Paris / DER STANDARD, Printausgabe vom 9. 10.2002)

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