Großbritannien übt den Ernstfall

9. Oktober 2002, 06:43
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Massenimpfungen gegen Pocken werden vorbereitet

London - In Großbritannien werden aus Furcht vor Terroranschlägen mit Bio-Waffen Massenimpfungen gegen Pocken vorbereitet. Nach britischen Medienberichten vom frühen Mittwochmorgen liegen den Gesundheitsbehörden zwar keine Drohungen mit Pockenviren vor, jedoch soll das Land für einen solchen Anschlag mit biologischen Waffen gerüstet sein. Millionen von Dosen eines Anti-Pockenserums sollen im Ernstfall bereit liegen. Eine prophylaktische Massenimpfung sei zur Zeit noch nicht geplant.

Abgestuftes Impfprogramm

Zunächst sollen bestimmte Mitarbeiter des Gesundheitsdienstes einen Immunschutz gegen Blattern erhalten. Sie würden im Bedarfsfall eingesetzt, um die Isolierung von Infizierten zu gewährleisten. Nach dem von den Medien zitierten Plan soll es dann ein begrenztes Impfprogramm auf lokaler Ebene geben. Nur bei einem Ausbruch einer Pockenepidemie seien Massenimpfungen vorgesehen.

Von Regierungsseite habe es geheißen, es sei wichtig, im Voraus zu planen, um im Ernstfall reagieren zu können. Die Behörden betonten, dass der Einsatz eines Pockenerregers als biologisches Kampfmittel unwahrscheinlich sei.

USA innerhalb von sieben Tagen immun

Die Regierung in Washington hatte vor kurzem bekannt gegeben, die USA planten bei einem Terrorangriff mit biologischen Waffen die gesamte Bevölkerung von 228 Millionen Menschen innerhalb von sieben Tagen gegen Pocken zu immunisieren.

Der Erregen der Pocken (Variola major) gilt seit 1977 als ausgerottet. Der letzte natürliche Erkrankungsfall trat 1977 in Somalia auf, der letzte Laborunfall ereignete sich 1978 in Birmingham in Großbritannien. Die weltweite Impfkampagne gegen Pocken wurde 1980 eingestellt. Gemäß WHO-Beschluss dürfen nur noch die zwei Labors im CDC Atlanta und im Wektor Kolzowo in Russland Pockenstämme aufbewahren und zu Forschungszwecken bearbeiten. Die vorgesehene Vernichtung dieser letzten Stämme wurde von der World Health Assembly im Mai 1999 vorerst bis Ende 2002 vertagt. Bis dahin sollen alle jetzt noch laufenden Forschungsarbeiten abgeschlossen sein. (APA/dpa)

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