München stoppt Historiker Goldhagen

10. Oktober 2002, 11:54
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Landgericht unterbindet Verkauf seines kirchenkritischen Buchs in Deutschland - wegen einer falschen Bildunterschrift

München/Berlin - Das Landgericht München I hat per einstweiliger Verfügung den Vertrieb des neuen Buches von US-Autor Daniel Jonah Goldhagen "Die katholische Kirche und der Holocaust" in Deutschland gestoppt. Anlass dafür ist die Bildunterschrift eines Fotos, auf dem angeblich Münchens früherer Kardinal Michael Faulhaber durch ein Spalier von SA-Leuten marschiert.

Bei der Person handle es sich nicht um Faulhaber, teilte das Münchner Erzbistum am Dienstag mit, das die Verfügung beantragt hatte. Ein Sprecherin des Berliner Verlags wollte zunächst keine Stellungnahme abgeben, da dem Verlag die schriftliche Verfügung noch nicht vorliege.

"Nicht gegen eine wissenschaftliche Auseinandersetzung"

Das neue Buch des US-Politologen Goldhagen war in Deutschland auf heftige Kritik gestoßen. In dem Buch klagt Goldhagen den katholischen Klerus an, den Massenmord der Nazis an den Juden unterstützt zu haben.

Das Ordinariat erklärte am Dienstag, die Intervention richte sich nicht gegen eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Haltung der Kirche im Nationalsozialismus. Dafür habe Münchens Kardinal Friedrich Wetter im Juni zum 50. Todestag von Faulhaber dessen gesamtes Archiv für die Wissenschaft und Forschung uneingeschränkt zugänglich gemacht. Die Auseinandersetzung über die Rolle der katholischen Kirche im Nationalsozialismus könne aber nur auf der Basis gesicherter Fakten geführt werden. Daher sei es notwendig gewesen, gegen die falsche Bildunterschrift zu intervenieren.(APA/dpa)

Zur Vorgeschichte

Buchtipp

Daniel J. Goldhagen

"Die katholische Kirche und der Holocaust"



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