Bedrohliche "Wolken" ziehen übers Welterbe

8. Oktober 2002, 18:12
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Unesco-Beirat kritisiert "Tendenzen in der Stadtplanung"

Wien - "Es wird halt immer höher." Mit einem Stoßseufzer nimmt Michael Petzet, Präsident des Welterbebeirats Icomos, Pläne zum Umbau des Hilton zur Kenntnis. "Da müssen wir erst sehen, ob es das Welterbe beeinflusst", sagt der Präsident des einflussreichen Gremiums, der kürzlich das Welterbe der historischen Altstadt im ersten Bezirk vom Hilton-Bau aus betrachtete.

Dieser Bau wird nun um "Wolken" erhöht: Schachtelartig stapelt Architekt Hans Hollein den Dachausbau - sieben Meter höher als bisher wird so der Bau. Das Hotel befindet sich in unmittelbarer Nähe zu Wien-Mitte respektive in der Pufferzone des Welterbes. Seitens der Stadt wird beteuert, der Bau sei welterbekompatibel.

An dem Hollein-Plan erkennt Petzet aber ohnehin nur "die Tendenz, die hier in der Wiener Stadtplanung verfolgt wird". Die lautet seiner Ansicht nach: immer höher, immer größer. Man müsse sehen, wie man damit in Zukunft bei der Unesco umgeht.

Probleme, die dem Denkmalschützer auch "aus Salzburg zu Ohren gekommen sind". Der STANDARD berichtete von geplanten Hochhäusern beim Salzburger Bahnhof. Im Sommer war die Stadt Salzburg in einem Brief des Wissenschaftsministeriums darauf hingewiesen worden, dass die Pläne mit der Unesco abgestimmt werden müssten, um den Status als Weltkulturerbe nicht zu gefährden.

Unterdessen wartet Michael Petzet auf Nachrichten aus Wien. Denn jenen Bericht, denn die Unesco von den Wiener Stadtplanern zur Dokumentation von Wien-Mitte in der Pufferzone gefordert hat, wurde zwar dieser übermittelt - nicht aber dem Präsidenten der Icomos. So kann Michael Petzet alle Bauvorgänge nur kritisch beobachten. Ihm geht es um die Beurteilung der Frage, ob die Wiener "die kritisierten Punkte der Unesco beantwortet haben". Vor allem die Höhe der geplanten Hochhäuser mit bis zu 97 Metern könnte sich nach Meinung von Kritikern negativ auf den Blick auf das Weltkulturerbe Innere Stadt auswirken. Entschieden werde über den Welterbestatus erst Juni 2003 bei der Sitzung des Unesco-Komitees.

Auf diese Sitzung verweist man auch bei Unesco-Wien. Man könne nicht sagen, wie lange es dauere zu entscheiden, ob Wien von der Welterbeliste genommen werde. Es handle sich eben um einen noch nie da gewesenen Fall. (DER STANDARD, Printausgabe, 9.10.2002)

von Andrea Waldbrunner
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