Digitale Signatur nun doch vor Durchbruch?

8. Oktober 2002, 17:43
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Wiener Wirtschaftsuni sorgt für Sprung in der Verbreitung

Die digitale Signatur, die die manuelle Unterschrift im Internet ersetzen soll und anfangs kaum verwendet wurde, steht nun möglicherweise doch vor ihrem Durchbruch. Nach Ansicht des Rundfunk- und Telekomregulators RTR, der die elektronische Signaturen kontrolliert, sollen bereits in den nächsten sechs Monaten zahlreiche neue Anwendungen auf den Markt kommen und sich die Zahl der Nutzer damit deutlich erhöhen.

Wiener Wirtschaftsuni sorgt für Sprung in der Verbreitung

Pionier ist derzeit die Wirtschaftsuniversität Wien. Sie hat heuer statt den bisherigen Studentenausweisen Chipkarten mit digitalen Signaturen ausgegeben. Waren in Österreich bisher rund 10.000 solcher Signaturen in Umlauf, hat sich deren Zahl im Rahmen dieses Pilots verdreifacht.

Entscheidende Treiber, so RTR-Geschäftsführer Heinrich Otruba am Dienstag vor Journalisten, werden die geplanten E-Government-Lösungen und Geldgeschäfte via Internet sein. Mittels einer Bürgerkarte, auf der die Signatur gespeichert ist, und einem Lesegerät wird man ab Anfang 2003 Behördenwege wie die Steuererklärung oder den Grundbucheintrag am PC von zu Hause aus erledigen können. Möglicherweise ebenfalls bereits im nächsten Jahr könnte die digitale Signatur auch im E-Banking Einzug halten und dort die aufwendigen PIN- und TAN-Codes ersetzen. Die nächste Generation der Bankomat-Karten 2003 soll bereits über eine Signatur verfügen.

Code aus Buchstaben und Zahlen

Die digitale Signatur - ein Code aus Buchstaben und Zahlen - ist auf einer Chipkarte gespeichert. Zur Übertragung der Daten ins Internet benötigt der Benutzer ein Lesegerät. Dieses wiederum ist mit einem Zahlenfeld ausgestattet - durch Eingabe eines PIN-Codes muss sich der Benutzer als Besitzer der Karte identifizieren.

Ob die digitale Unterschrift, die der Absender so in den Computer einspielt, auch echt ist, kann der Empfänger über ein neues Hochsicherheitssystem der RTR überprüfen lassen. In den vergangenen 18 Monaten hat die RTR mit einem Aufwand von 500.000 Euro und drei Mannjahren das neue System errichtet, untergebracht in Hochsicherheitsräumen und Tresor, die nur mittels Vier-Augenprinzip geöffnet werden können.

Ausgetüftelt

Die Überprüfung der digitalen Unterschriften über dieses ausgetüftelte System funktioniert allerdings nur bei so genannten "qualifizierten elektronischen Zertifikaten". Diese besonders sicheren digitalen Signaturen werden in Österreich derzeit nur von einem Anbieter vergeben, und zwar von der A-Trust, einem Konsortium aus mehreren Banken, der Wirtschaftskammer Österreich, der Notariatskammer sowie der Telekom Austria. (APA)

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