Israelischer Atomspion kämpft um vorzeitige Entlassung

8. Oktober 2002, 15:52
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Mordechai Vanunu hatte in Interview Einzelheiten des israelischen Atomforschungs- und Atombombenprogramms ausgeplaudert

Tel Aviv - Rund 16 Jahre nach seiner Verurteilung zu 18-jähriger Gefängnishaft wegen Hochverrats will der israelische Atomtechniker Mordechai Vanunu erneut seine vorzeitige Entlassung beantragen. Nach einem Bericht der Tageszeitung "Haaretz" vom Dienstag soll Ende des Monats vor einem Richter in Beerschewa über den Antrag entschieden werden. Bisher haben die Gerichte die sonst übliche Begnadigung nach der Verbüßung von zwei Dritteln seiner Strafe verweigert. Die Regierung befürchtet, dass Vanunu anschließend Atomgeheimnisse verraten könnte.

Vanunu, der Jahre lang im israelischen Atomforschungszentrum Dimona arbeitete, war 1986 verurteilt worden, weil er der britischen Sonntagszeitung "Sunday Times" Einzelheiten des geheimen israelischen Atomforschungs- und Atombombenprogramms verraten hatte. Der israelische Geheimdienst Mossad entführte den Techniker kurz nach der Veröffentlichung aus Italien und verschleppte ihn nach Israel. Seit seiner Verurteilung wird der aus Rumänien stammende Vanunu in strikter Einzelhaft gehalten. Menschenrechtler aus aller Welt haben sich für die Entlassung des heute 47-Jährigen eingesetzt.

Nach Angaben von "Haaretz" will die Verteidigung Vanunus ihre Forderung nach einer Entlassung des Atomtechnikers damit begründen, dass der heutige Außenminister Shimon Peres in einem TV-Programm im vergangenen Jahr Details über Israels Atomforschung bekannt gegeben habe, die selbst Vanunu nicht wissen könne. Damit könne seine Entlassung auch die Sicherheit Israels nicht gefährden. (APA/dpa)

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    Vanunu hat bereits 16 Jahre in Einzelhaft verbracht

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