"Virtueller Magen" gewährt Einblicke

8. Oktober 2002, 14:49
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Studiert werden soll, wie rasch Tabletten, die eigentlich längere Zeit im Magen verbleiben sollten, wirklich zerfallen

University Park/Pennsylvania - Maschinenbauingenieure haben in Kooperation mit Medizinern und Pharmazeuten den laut eigenen Angaben ersten "virtuellen Magen" entwickelt. Mit dem computer-generierte Organ soll der Weg jener Tabletten verfolgt werden, die mit dem Zweck entwickelt wurden, für einige Stunden im Magen zu verweilen, während sie den Wirkstoff abgeben. Laut Angaben der Penn State University sind über den Zerfall von Pillen und die Abgabe des Wirkstoff noch wenige Details bekannt.

"Mit dem virtuellen Organ können wir den Zerfall der Tablette simulieren und die langsame Abgabe der Medizin am Bildschirm beobachten bzw. den Prozess analysieren", erklärte der Projektleiter James G. Brasseur. Die Computersimulation ermöglicht die Steuerung des Magens. Daher werden mehr Details, als sie bisher durch Menschen- oder Tierversuche geliefert wurden, bekannt.

Der virtuelle Magen kombiniert ein hochentwickeltes Computerprogramm und ein realistisches Magengeometrie-Model, das auf den Magnetresonanzbildern des menschlichen Magens basiert. Die resultierenden Computersimulationen werden als farbige, cartoonartige Bilder des Magens präsentiert, die die Bewegung der Magenflüssigkeit und den Weg sowie den Abbau der Tablette zeigen. Durch die Aufnahmen wird es Forschern möglich, spezifische Prozesse, die zur Absonderung und zur Mischung von Medikamentenwirkstoffen führen, zu analysieren.

Anupam Pal, Erstautor der Studie, präsentierte erste Ergebnisse kürzlich auf dem Treffen der European Society of Neurogastroenterology and Motility in Tübingen. Die Forschung wurde vom Pharmakonzern AstraZeneca unterstützt. (pte)

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