Erste Bank: Bis zur Klärung der Irakkrise abwarten

8. Oktober 2002, 13:50
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Nur Osteuropa-Aktien und Euro-Aktien übergewichtet - Patt zwischen Dollar und Euro - Zinssenkungen würden nicht viel bringen

Wien - Kein Abrutschen in eine Rezession, keine Zinssenkungen durch die Notenbanken in den USA und Europa und vorerst auch kein Anspringen der weltweiten Konjunktur erwarten die Analysten der Erste Bank der oesterreichischen Sparkassen in Wien. Die Finanzmärkte dürften sich bis Jahresende am ehesten seitwärts entwickeln. "Die Irakkrise bringt eine Verschiebung von Investitionen und Konsum, aber keine Rezession in den USA", fasste es Erste-Analystin Veronika Lammer am Dienstag vor Journalisten in Wien zusammen.

Privatanleger sollten "vor Neueinstiegen bis zur Klärung der Irakkrise zuwarten", rät Erste-Chefanalyst Friedrich Mostböck. Insbesondere an den Aktienmärkten gebe es kurzfristig noch weiter die Gefahr sinkender Kurse. Der Renten- oder Geldmarkt seien als sichere Häfen ratsam. Investoren mit einem Zeithorizont über zwei oder drei Jahre könnten dagegen schon an erste Zukäufe denken. Allenfalls dafür geeignet sein könnten Industrie- und konjunktursensible Werte sowie - selektiver - auch Finanztitel sowie einzelne Telekom-Papiere wie etwa Vodafone oder Deutsche Telekom.

Osteuropa- und Euro-Aktien übergewichtet

In ihrer internationalen Anlagestrategie ("asset allocation") würde die Erste Bank nur Aktien aus Osteuropa sowie Anleihen aus dem Euroraum übergewichten, leicht ausbauen würde man Aktienpositionen aus Japan und Südostasien. Zum Untergewichten rät die Erste bei Euro-Aktien sowie bei Rentenwerten aus dem Dollarraum sowie Ostasien und Südafrika. Neutral eingeschätzt werden High Yield-Bonds sowie Aktien aus Nordamerika.

In den USA führt Lammer den jüngsten Konjunktureinbruch vor allem auf die Aktienschwäche sowie auf die Kriegsangst zurück, also auf psychologische Faktoren. Bis zur erwarteten Klärung der Irakkrise im ersten Quartal 2003 sollte ein stabiler privater Konsum weiter für moderate Wachstumsraten sorgen. Positiv auswirken sollten sich dabei ein eher schwächerer Dollar sowie die erhöhten Staatsausgaben. "Die Phase von Budgetüberschüssen ist für vier bis fünf Jahre vorbei", meint Lammer - die Kosten für einen Krieg gegen mit dem Irak noch nicht eingerechnet.

Zinssenkungen bringen wenig

Bei den Leitzinsen sehen die Erste-Analysten Senkungen weder durch die US-Notenbank Fed noch durch die Europäische Zentralbank (EZB) ins Haus stehen. Für Lammer würden niedrigere Zinsen derzeit auch wenig bewirken: In den USA gebe es nicht mehr viel Spielraum nach unten, und in Europa spielten auch politische Faktoren eine große Rolle, darunter Euro-bedingte Preiserhöhungen, Lohnabschlüsse oder die Budgetsituation. Zudem sei die europäische Wirtschaft nicht so zinssensibel wie die amerikanische, sagte Lammer.

Auf der Währungsseite sollten sich Dollar und Euro kurzfristig auf die Parität einpendeln, der Euro sollte erst zur Jahresmitte 2003 leicht die Oberhand bekommen (um 1,03 zum Dollar Ende Juni). Zwar würden Kapitalflüsse in die USA auf Grund des schwachen Wachstums und der Kriegsangst abnehmen, aber auch Euroland sei keine "herausragende Alternative". Somit ergebe sich eine "Pattsituation". (APA)

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