Fast 12.000 Spezies werden als vom Aussterben bedroht klassifiziert

11. Oktober 2002, 10:46
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Genf - Das baktrische Kamel könnte bald seinen letzten Drink, die äthiopische Wassermaus ihr letztes Bad nehmen: 121 Neuzugänge hat die Liste der vom Aussterben bedrohten Arten in den vergangenen zwei Jahre verzeichnet. Laut Internationalem Umweltschutzbund (IUNC) stehen insgesamt rund 11.170 Pflanzen und Tiere kurz vor dem Verschwinden. Fünf weitere Arten gelten seit 2000 als bereits ausgestorben.

Experten befürchten, dass viele Arten schon ausstürben, bevor sie überhaupt erforscht seien. Auf rund 14 Millionen wird der weltweite Artenbestand geschätzt, von denen aber erst rund 1,75 Millionen dokumentiert sind. Umweltschützer glauben, dass die aktuelle Schwundrate bis zu 10.000 Mal höher ist als unter natürlichen Bedingungen ohne menschlichen Einfluss.

Fatalismus wäre fehl am Platz

IUCN-Generaldirektor Achim Steiner sieht im jüngsten Ergebnis keinen Grund zur Freude. "Es ist aber nicht so, dass Fatalismus aufkommen soll, vielmehr sind Umweltschutzprogramme angesagt, die die nötigen Schritte setzen sollen", so Steiner. Sieben Spezies sind auf der "Roten Liste" angeführt, die als "in freier Wildbahn ausgestorben" gelten. Dazu gehört zum Beispiel die Süßwasserschnecke (Graecoanatolica macedonica), die im Dorjan-See im Grenzgebiet zwischen Griechenland und Mazedonien endemisch war. Bei mehreren limnologischen Untersuchungen des Sees konnte kein lebendes Exemplar der Schnecke mehr gefunden werden, berichtet das Journal of Conchology der britischen Malakologischen Gesellschaft. Massive Wasserentnahmen des Sees haben zu einem Rückgang der Ufer geführt. Dort lag das Habitat der Schnecke.

Als extrem gefährdet gilt auch der Iberische Luchs (Lynx Pardinus). Die IUCN schätzt, dass von dieser Raubkatze nur noch 600 Exemplare leben. Die neun bis 13 Kilogramm schwere nachtaktive Katze ernährt sich in erster Linie von Hasen und Kaninchen. Der Iberische Luchs ist in erster Linie durch das Ausbreiten von landwirtschaftlichen Flächen und damit einhergehender Zerstörung seines Lebensraumes bedroht. Der Iberische Luchs könnte die erste Wildkatze sein, die seit 2.000 Jahren ausgerottet wurde.

Auch Großtiere gefährdet

Zu den extrem gefährdeten Arten zählen auch weiter die wildlebenden baktrischen Kamele, die Jägern zum Opfer fallen und die Saiga-Antilopen, deren Männchen wegen ihrer Hörner gejagt werden. Noch 1993 gab es über eine Million Saiga-Antilopen in den Wüsten und Steppen Zentral-Asiens. Im Jahr 2000 schätzten die Wissenschaftler den Bestand auf weniger als 200.000. Knapp zwei Jahre später ist der Bestand auf unter 50.000 Tiere gesunken. "Wenn keine Schritte gegen die Saiga-Antilopenjagd unternommen werden, wird diese Spezies in zehn bis 20 Jahren völlig verschwunden sein", so Steiner. Andere Spezies wie zum Beispiel das Tigerschwanz-Seepferdchen sind wegen der engmaschigen Fischernetze gefährdet. Die Tiere sterben als Beifang. Außerdem sind sie sowohl als Aquarientiere als auch als Heilmittel sehr beliebt.

Neben der Roten Liste für die Fauna ist auch eine Gefährdungsliste für Pflanzen erstellt worden. Im Jahr 2000 waren dort 5.611 Pflanzen gelistet, heute sind es bereits 5.714. Die Liste der Pflanzen wird aber nach wissenschaftlichen Kriterien anders beurteilt, da die Wissenschaft erst vier Prozent der gesamten Flora beschrieben hat. Nach Angaben der IUCN liege daher die Rate an gefährdeten Arten um ein Vielfaches höher. (APA/pte)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Eine Saiga-Antilope

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