Double dip "sehr wahrscheinlich"

8. Oktober 2002, 13:51
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Constantia Privatbank prognostiziert neuerliches Abgleiten in die Rezession - Zwischrally an den Börsen möglich - Fokus auf alternative Investments

Wien - "Die Konjunkturindikatoren deuten alle auf einen double dip hin, die Wahrscheinlichkeit für seinen Eintritt liegt meiner Meinung nach bei zwei Drittel zu einem Drittel", so die Einschätzung der Geschäftsführerin der Wiener Constantia Kapitalanlagegesellschaft CPB, Elisabeth Staudner. Historisch gesehen sei ein zweiter Abschwung oftmals notwendig gewesen, das schwache Konsumentenvertrauen, die steigende Arbeitslosigkeit und der hohe Ölpreis verstärkten aber derzet das Risiko. Darüber hinaus seien bereits Rückkoppelungseffekte der Aktienbaisse auf die Realwirtschaft zu beobachten, so Staudner anlässlich eines Pressegesprächs am Dienstag.

Hoffen auf Zinssenkung

Die einzige Hoffnung in den von Pessimismus und Kriegsangst gekennzeichneten Märkten sei jene auf Zinsreduktionen im vierten Quartal in den USA und in Europa, die durch die geringe Inflation genährt würden. "Greenspan hat nicht wirklich viel Pulver zu verschießen", mehr Platz habe die Europäische Zentralbank (EZB), so Staudner. 50 Basispunkte könnten etwas bewirken, aber auch eine Reduktion um 0,75 Prozentpunkte sei möglich. "Wenn die EZB überhaupt etwas machen würde, wäre das bereits ein Zeichen", betonte der Vorstandsvorsitzende der Constantia Privatbank, Karl Petrikovics, die Relevanz psychologischer Faktoren.

"Panik-Niveau"

2003 sieht Staudner eine allmähliche, langsame Erholung, wobei allerdings die Risiken enorm seien. So führt die Kapitalmarktexpertin die hohe Volatilität an, die "Panik-Niveau signalisiert" und nur 1987 höher war. An ein Ende der Talfahrt sei kurzfristig nicht zu denken, "alle sitzen nur da und halten den Atem an". Staudner richtet das Augenmerk auf die Fundamentaldaten. "Die Gewinnwachstumsprognosen sind zu hoch, die meisten Kurs/Gewinn-Verhältnisse (KGV) liegen derzeit bei 15, 16 oder 17. Billig ist eine Aktie erst ab einem KGV von 12." Darüber hinaus sei der Ölpreis bedingt durch einen drohenden Angriff der USA auf den Irak zu hoch. Solange der Ölpreis bei 30 US-Dollar pro Barrell oder höher liege, dämpfe dies unweigerlich die Wirtschaft.

"Risikovermeidung"

Angesichts all dieser Gefahren laute das oberste Credo "Risikovermeidung", wobei der Fokus auf "Qualität, Qualität, Qualität" liege, wie Norbert Gerstner die Asset Allocation der Constantia Privatbank erläuterte. Die Konsequenz auf die Allokationsstrategie sei das Zurücknehmen des Aktienanteils im Portfolio um "circa 50 Prozent gegenüber der normalen Gewichtung", wobei "Europa auch nicht attraktiver im Vergleich zu den USA ist". Die Abhängigkeit Europas von den USA sei weiterhin sehr groß. "Deutschland zieht alles in die Tiefe", so Staudner.

Zwischenrally möglich

Schnäppchenjäger trügen immer noch ein hohes Risiko, hieß es. Zum einen belaste der drohende Irak-Krieg mit seinen unabsehbaren Folgen für die Staatsverschuldung der USA. Zum anderen überwiegen bei den Unternehmensmeldungen weiterhin klar die negativen Überraschungen. Zwar sei nach dem Ausverkauf der letzten Wochen eine Zwischenrallye möglich. Kurzfristige Einstiege seien aber nur für Anleger überlegenswert, die ein höheres Risiko zu tragen bereit seien. Begonnen werden sollte dabei am ehesten mit defensiven Werten und Ölaktien, empfiehlt die Constantia Privatbank.

Finanzwerte unter Druck

Ungebrochen ist laut Staudner der Druck auf die Finanzwerte. Beim "Rückgrat der Ökonomie", sei "der Bär los". Auch bei europäischen Banken höre man von Problemen und "wenn man sich den Kurs der Commerzbank anschaut, spricht das Bände", fügte sie hinzu. Am Bankensektor leide auch Japan. "Oberflächlich schaut es in Japan nicht so schlecht aus, da die Exporte gut sind. Aber unter der Oberfläche brodelt es." An der enormen Anzahl an miesen Krediten und den technisch bankrotten Banken würden auch die "oberflächlichen und kosmetischen Maßnahmen des neuen Finanzministers" Japans nichts ändern.

Fokus auf alternative Investments

Auch am Rentenmarkt sollte eine Trendwende einsetzen, da derzeit relativ viel Geld in die Anleihen fließt, ist Norbert Gerstner überzeugt. Er setzt auf die "Barbell-Positionierung", eine Mischung aus Renten mit kurzen und langen Restlaufzeiten. Hier seien Euro- und Dollaranleihen auf Grund der bereits sehr geringen Renditen und des Währungsrisikos uninteressant. Vielmehr solle man sich auf Staatsanleihen der EU-Beitrittskandidaten und "ganz, ganz wenige ausgewählte Unternehmensanleihen", vor allem von Energieversorgern, konzentrieren. Der Fokus der Constantia Privatbank liege aber auf alternativen Investments wie Immobilienwertpapiere, Hedge-Fonds und auf Garantieprodukten. (APA)

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    Das Schlimmste ist noch nicht vorbei. Eine nachhaltige Erholung an den internationalen Aktienmärkten ist nach Meinung der Experten von der Constantia Privatbank frühestens 2003 zu erwarten.

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