Zahlungsverkehr bleibt defizitär

8. Oktober 2002, 18:36
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Gemeinsame Gesellschaft der Großbanken soll Lage verbessern

Wien - Die privaten Girokonten bleiben für die österreichischen Banken ein Verlustgeschäft. Wie eine von der Bundessparte Bank/Versicherung der Wirtschaftskammer Österreich in Auftrag gegebene McKinsey-Studie zeigt, verlieren die Geldinstitute in Österreich je Konto und Jahr 22 Euro. In Deutschland, so die Studie, ist der Abgang mit 0,05 Euro je Konto deutlich geringer, und in Italien ergibt sich sogar ein satter Gewinn von 89 Euro je Konto. Zwar hat sich der Verlust der heimischen Geldinstitute in diesem Bereich in den letzten Jahren deutlich verringert - er fiel insgesamt von 356 Mio. EURO im Jahr 1989 über 247 Mio. EURO im Jahr 1998 auf 152 Mio. EURO im vergangenen Jahr - das Ziel, wenigstens pari auszusteigen, ist aber noch in weiter Ferne.

Den Grund für die schlechte Position der österreichischen Geldinstitute ortet die Studie vor allem in den höheren Erlösen aus Sichteinlagen und besseren Margen bei Überziehungskrediten in Deutschland. In Italien geben vor allem die großen Sichteinlagenvolumina, aber auch das höhere Preisniveau den Ausschlag.

Konto-Kosten am günstigten

Bei den Kosten je Konto liegt Österreich mit 158 Euro deutlich am günstigsten. In Deutschland machen sie 176 Euro aus, in Italien sogar 222 Euro. Bundessparten-Geschäftsführer Herbert Pichler führte den Kostenvorteil auf die erheblichen Rationalisierungsbemühungen der letzten Jahre zurück und wies darauf hin, dass Österreichs Geldinstitute ihren Kunden das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bieten.

Um die Kosten im in- und ausländischen Zahlungsverkehr noch besser in den Griff zu kriegen, basteln die Bank-Austria-Gruppe, die Bawag/ Postsparkasse sowie die Erste Bank/Sparkassen an einer gemeinsamen Zahlungsverkehrsgesellschaft. Der Antrag auf Genehmigung durch die EU wird in den nächsten Tagen gestellt, der Wettbewerbsbehörde wurde bereits ein Informationsmemorandum zugesandt. Sollte die EU-Kommission zustimmen, wollen die drei Institute Mitte nächsten Jahres starten. (gb, DER STANDARD, Printausgabe 9.10.2002)

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