Die Musik-Industrie macht sich bereit für den Showdown

8. Oktober 2002, 14:32
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KaZaA-Entwickler Sherman Networks muss vor Gericht – Verurteilung könnte weitreichende Folgen haben

Der Interessenverband der amerikanischen Musik-Industrie, die RIAA, macht sich bereit für ein wichtiges Kapitel im Kampf gegen Online-Tauschbörsen. Nach dem Ende von Napster und zahlreicher Nachfolge-Angebote, muss sich nun auch Sharman Networks, der Entwickler der Client-Software von KaZaA vor Gericht verantworten. Sollte es den Klägern tatsächlich gelingen einen Sieg vor Gericht zu erlangen, so könnte dies weltweite Konsequenzen für Online-Tauschbörsennutzer haben.

Bereitstellung von Software als Beihilfe zum Gesetzesbruch

Im angestrebten Verfahren muss das Gericht entscheiden ob die Bereitstellung der KaZaA-Client-Software eine Straftat gegen das Kopierschutz-Recht darstellt. Bislang sind sich die Experten zwar einig, dass der Download kopiergeschützter Dateien, egal über welchen Client auch immer, eine Straftat darstellt, ob die Bereitstellung von entsprechender Software allerdings als Beihilfe betrachtet werden kann, darüber scheiden sich die Geister.

Das weltweite Netzwerk

„Traditionelle Angebote“ wie etwa Napster, Audiogalaxy und Co. stellen die Musik-Industrie nicht mehr vor unlösbare Probleme. Einfach den zentralen Server oder dessen Mirror-Sites abgedreht und schon ist der „Spuk“ zu Ende. Bei einem dezentralen Service wie etwa KaZaA können einzelne Anwender nur schwer ausgeforscht oder gar bestraft werden. Als eine erste Möglichkeit sieht die RIAA in diesem Fall das Verbot der Verbreitung der entsprechenden Client-Software. Sharman Networks verfügt allerdings über ein sehr gutes weltweites Netzwerk. Der Anbieter hat Niederlassungen auf der südpazifischen Insel Vanuatu und wird von Australien aus geleitet. Die KaZaA-Entwickler befinden sich in den Niederlanden in einem sicheren Asyl vor der amerikanischen Rechtssprechung, Server finden in Dänemark ein Zuhause und der Source Code der Client Software wurde zuletzt in Estland gefunden.

US-Recht soll weltweit gelten

Laut Sharman-Anwalt Roderick G. Dorman ist es das Ziel der RIAA die amerikanische Gesetzesauslegung mittels entsprechendem Urteil zu weltweiter Geltung zu verhelfen. Allerdings dürfte dies nicht in der Macht eines einzelnen Richters liegen, sondern ausgiebige Verhandlungen auf multi-lateraler Ebene erfordern. Besonders schwer wird es für die Unterhaltungs-Branche vor allem deshalb weil eine entsprechende Klage in den Niederlanden schon abgeschmettert wurde und der Vertrieb der Software somit legal ist.

Eine halbe Milliarde Dateien

Mittlerweile verfügt das KaZaA-Netzwerk über mehr als drei Millionen User weltweit die mehr als eine halbe Milliarde verschiedene Dateien tauschen. Ein weiterer wichtiger Punkt in der Verhandlung ist allerdings die Tatsache, dass die Anwender nicht nur kopiergeschütztes Material sondern auch legale Inhalte untereinander weitergeben. Neben Sharman Networks wird im gleichen Fall auch über die Zukunft von Grokster und Morpheus verhandelt.(gk)

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