Kindergeld, ob daheim oder nicht

8. Oktober 2002, 11:21
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SP würde Zuverdienstgrenze abschaffen - Finanzierung aus Budget

Wien - "Gebärprämie" - so hat die SPÖ die Umwandlung des Karenzgeldes in das Kindergeld abqualifiziert. Diese Meinung hat sich geändert: Würde die SPÖ regieren, würde sie das Kindergeld beibehalten. "Man kann nicht alle zwei Jahre das System ändern", erklärt SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Andrea Kuntzl im STANDARD-Gespräch.

Die SPÖ würde das "zu starre" Kindergeld aber umbauen: Die Zuverdienstgrenze (14.534 EURO pro Jahr) soll abgeschafft werden. "Diese Grenze bestraft alle, die mit dem Kindergeld nicht auskommen und dazuverdienen und bevorzugt jene mit einem wohlhabenden Gatten. Zudem schadet die Grenze Besserqualifizierten", meint Kuntzl. Sie plädiert dafür, Kindergeld unabhängig davon zu zahlen, ob die Mutter/der Vater zu Hause bleibt oder nicht. Mehrkosten erwartet Kuntzl nicht: "Wenn jemand arbeitet, zahlt er Steuern und finanziert das Kindergeld so mit." Die schwarz-blaue Koalition hat um die Zuverdienstgrenze lange gerungen: Damals gingen Berechnungen davon aus, dass das Kindergeld ohne Zuverdienstgrenze rund 14 Millionen Euro mehr kosten würde.

Nach dem SPÖ-Modell sollen alle Mütter/Väter Anspruch auf die derzeit maximale Kindergeldhöhe haben (13.060 Euro bei 30 Monaten zu Hause) - allerdings im Gegensatz zu derzeit unabhängig davon, wie lange man beim Kind bleibt. Wer kürzer zu Hause bleibt, soll also mehr Geld pro Monat bekommen, was Kuntzl einerseits als positiv für Besserverdienende sieht, andererseits als Anreiz für Väter, eine Babypause einzulegen. Oder auch eine Kleinkinderpause: Soll doch das Kindergeld bis zum sechsten Lebensjahr des Kindes bezogen werden können.

Und das, wie bisher, von allen, also auch von Studierenden oder Bäuerinnen. Allerdings überlegt Kuntzl eine andere Finanzierung: "Derzeit wird das Kindergeld aus dem Familienfonds bezahlt, in den nur Arbeitgeber und Arbeitnehmer einzahlen. Eine Finanzierung aus dem Budget, aus Steuern, wäre gerechter." (DER STANDARD, Printausgabe 8.10.2002)

Von Eva Linsinger
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