Irak-Krise: US-Manager warnen vor Eskalation

8. Oktober 2002, 13:25
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Mit negativen Folgen für die Wirtschaft wird gerechnet - Ölpreis nach Bush-Rede im Sinkflug

Washington - Bei einem Krieg gegen den Irak erwarten US-Spitzenmanager überwiegend negative Folgen für die Wirtschaft. "Eine 100-Milliarden-Steuer für die Amerikaner ist keine gute Sache", meinte Scott McNealy, Vorstandschef der Sun Microsystems, gegenüber US-Medien. Die Kosten für einen Irak-Krieg werden mit etwa 100 Mrd. Dollar (102,0 Mrd. Euro) angegeben, wobei der Betrag von der Länge der militärischen Auseinandersetzung abhängen würde.

Auch der Vorsitzende der Hypothekenbank Fannie Mae, Franklin Raines, hat keinen Zweifel: "Ein Krieg hätte sicher eine dämpfende Wirkung auf die Wirtschaft. Meiner Meinung nach würden dadurch Investitionsausgaben verzögert". Ebenso erwartet der Chef der Fluggesellschaft Delta Airlines, Leo Mullin, negative Auswirkungen. Während des Golfkriegs 1991 waren die Transatlantikflüge um 10 Prozent und die inneramerikanischen Flüge um fünf Prozent gesunken. Falls eine Militäraktion gegen den Irak länger anhalte könne sich dies auf die Fluglinien schwerwiegend auswirken, fürchtet Mullin.

Positive Wirkungen auf den Telekommunikationssektor erwartet hingegen der Vorstandschef der zweitgrößten US-Telefongesellschaft Sprint, Bill Esrey. Demnach würden die Amerikaner in Krisenzeiten häufiger telefonieren und mehr e-mails versenden. Dies sei bei jedem größeren Ereignis zu beobachten, sei es eine Naturkatastrophe wie ein Hurrikan oder ein Erdbeben, ein Terrorangriff oder ein Krieg.

Zuvor waren zahlreiche Spitzenmanager bei der Jahresversammlung der US-Handelskammer in Greenbrier im Bundesstaat West Virginia mit Vertretern der Regierung und des Geheimdiensts zusammengetroffen. Die Manager wurden u.a. von Justizminister John Ashcroft und CIA-Chef George Tenet über die jüngsten Entwicklungen in Wirtschafts- und Sicherheitsfragen informiert.

Ölpreis nach Bush-Rede gesunken

Nach der Rede von US-Präsident George W. Bush zum Irak-Konflikt hat der Ölpreis im Londoner Handel am Dienstag leicht nachgegeben. Händler sagten, Bush habe etwas weniger hart geklungen als in anderen Ansprachen. Im Handel an der International Petroleum Exchange (IPE) in London sankt der Preis für ein Barrel Rohöl (159 Liter) der führenden Nordsee-Sorte Brent zur Lieferung im November um 19 Cent auf 28,04 Dollar (28,6 Euro).

In einer Fernsehansprache an die Nation hatte Bush das Waffenprogramm Iraks als wachsende Bedrohung bezeichnet. Ein Krieg gegen das Land stehe aber nicht unmittelbar bevor. Bush forderte die Regierung in Bagdad auf, alle Massenvernichtungswaffen offen zu legen und zu zerstören. Andernfalls würden die USA das Land mit Hilfe einer Koalition entwaffnen. Am Ölmarkt wurde die Rede Bushs mit Entspannung aufgenommen.

Auch die weiterhin unklare Ursache der Explosion des französischen Supertankers "Limburg" in Jemen rechtfertige keinen zusätzlichen Kriegsaufschlag zum Ölpreis, sagten Händler. Am Vortag hatte die Tankerexplosion den Ölpreis in die Höhe getrieben. Spekulationen über einen Anschlag hatten Händlern zufolge die Angst vor einem Krieg und eine Unterbrechung der Ölversorgung geschürt.(APA)

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