Polit-Turbulenz im Wifo

8. Oktober 2002, 12:58
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Konjunktur-Experte und SP-Kandidat Marterbauer nimmt bis zur Nationalratswahl Auszeit

Wien - Wifo-Chef Helmut Kramer hat nach den jüngsten Turbulenzen in seinem Haus die Konsequenzen gezogen. Markus Marterbauer, Konjunktur-Experte des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo), wird bis auf weiteres keine fachlichen Expertisen im Namen des Hauses mehr erstellen, wie Kramer der "Presse" bestätigte. Der Grund für diesen Schritt liege darin, dass Marterbauer im kommenden Nationalratswahlkampf auf der Wiener Landesliste für die SPÖ kandidiere und sich somit ein Konfliktfeld zwischen seiner wissenschaftlichen und seiner politischen Tätigkeit eröffne.

Walterskirchen übernimmt

Laut Kramer hätten sich er und Marterbauer gemeinsam auf diesen Weg verständigt, um die politische Unabhängigkeit des Instituts außer Streit zu stellen. Für die Dauer des Wahlkampfes übernimmt Ewald Walterskirchen - ebenfalls Konjunkturexperte - die Agenden Marterbauers, der im rotgrünen Schattenkabinett der Zeitung zufolge als aussichtsreicher Kandidat für das Amt des Staatssekretärs im Finanzministerium gehandelt wird.

Aktueller Auslöser für die Rochade war - so die Zeitung - eine Aussage Marterbauers gegenüber der Austria Presse Agentur vom vergangenen Freitag, wonach die heimische Konjunkturabschwächung ausschließlich auf den restriktiven Budgetkurs zurückzuführen sei. Kramer hat die Darstellung Marterbauers korrigiert, weil diese wissenschaftlich nicht haltbar sei. Die schwächer gewachsene Inlandsnachfrage lasse nicht automatisch darauf schließen, dass darin der ausschließliche oder hauptsächliche Grund für die ungünstige Konjunktursituation in Österreich zu sehen sei, so Kramer.

Begrenzter Einfluss

Der Wifo-Chef verweist dabei auf die wirtschaftliche Abschwächung in allen Industrieländern. In so einem Umfeld könne die nationale Budgetpolitik in einem Land wie Österreich die Inlandsfrage nur begrenzt beeinflussen, die Kaufentscheidungen der Kunden wären insbesondere durch die schlechte Stimmungslage gebremst worden. (APA)

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