Mit spitzem Bleistift

7. Oktober 2002, 18:46
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Trotz gemeinsamen Wirtschaftsraums ist der Autokauf in der EU für Privatpersonen kein einfaches Unterfangen - Fallstricke gibt es genug

Wenn EU-Kommissar Mario Monti von der Neuregulierung des europäischen Automarktes spricht, weckt er nicht selten Begehrlichkeiten: Denn er verspricht eine Angleichung der Autonettopreise europaweit mit der neuen Gruppenfreistellungsverordnung für den Automobilhandel. Die unterschiedlich hohe Steuerlast in den einzelnen Ländern ist ein Grund dafür, dass Nettopreisunterschiede existieren. Und so schaut mancher Österreicher nach Dänemark oder nach Südeuropa, sieht verlockend tiefe Preise - möglicherweise auch auf dem Gebrauchtwagenmarkt - und will schnell zugreifen.

Das wäre aber schon der erste Fehler: Denn trotz des gemeinsamen Wirtschaftsraumes birgt der Autokauf außerhalb Österreichs noch immer etliche Fallstricke - wirtschaftliche und rechtliche. "Man muss mit spitzem Bleistift kalkulieren", sagt Erhard Lenz, technischer Leiter des ARBÖ in Wien. Denn ein vermeintlich günstiger Kauf kann schnell teuer werden, wenn etwa zusätzliche Gutachten notwendig sind, um in Österreich eine Genehmigung zu erhalten. Lenz berichtet von vier Hauptschwierigkeiten, die ihm im Zuge seiner Arbeit unterkommen.

  • Abgasprobleme Ein altes Fahrzeug wird importiert, die aktuell gültigen Abgas- (Euro II) oder Lärmvorschriften könnten eventuell nicht erfüllt werden. Fahrzeuge aus der EU ab Baujahr 1996 haben in der Regel die EU-Betriebserlaubnis (COC-Papier), hier verlangen die Landesprüf- stellen, bei denen das Fahrzeug vorgeführt wird, lediglich eine §-57a-Überprüfung ("Pickerl"). Ausnahmen gibt es für Autos, die Übersiedlungsgüter sind. Man sollte bei den Landesprüfstellen oder in Wien bei der MA 46 die Merkblätter besorgen.

  • Dokumente fehlen Das Fahrzeug wurde umgebaut, es fehlen aber die Zertifikate, etwa zur Unfallsicherheit oder Ähnlichem. Besonders akut bei Auspuffanlagen von Motorrädern, die zwar vom Hersteller aus technisch unbedenklich, aber nur für den Rennsport, nicht jedoch für die Straße zugelassen sind.

  • Gleichheitsbestätigung Nicht alle Typen von Fahrzeugen werden weltweit baugleich angeboten. Wenn die Behörden Zweifel haben, können sie eine Gleichheitsbestätigung verlangen. Die Importeure - nicht gerade glücklich mit Eigenimporten - lassen sich diese nicht selten mit bis zu 1000 Euro abgelten.

  • Originalität Historische Fahrzeuge sind problemlos zu importieren, wenn sie in der entsprechenden "roten Eurotax-Liste" angeführt sind. Werden aber Unsicherheiten vermutet, kann die Zulassungsstelle einen gerichtlich beeideten Sachverständigen einschalten, was die Kosten wieder steigen lässt. Zu den Kosten der diversen Bestätigungen kommen noch die Steuern in Österreich: Es sind 20 Prozent Einfuhrumsatzsteuer (EUSt) vom Rechnungsbetrag inklusive der NoVA (Normverbrauchsabgabe) zu bezahlen. Bei Gebrauchtfahrzeugen aus der EU entfällt die EUSt. (Leo Szemeliker, DER STANDARD, Printausgabe 8.10.2002)
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    Günstige Nettopreise winken in Höchststeuerländern. Bei gängigen Neuwagen ist das Risiko mit dem Eigenimport einzufahren, am geringsten. Die Transportkosten bleiben einem trotzdem nicht erspart.

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