Commerzbank unter Druck

7. Oktober 2002, 18:52
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Spekulationen über Finanzprobleme reißen nicht ab - Aktie verliert deutlich

Frankfurt - Die Aktie der Commerzbank hat am Montag nach einem Zeitungsbericht über angebliche Probleme des Instituts im Geschäft mit Kreditderivaten massive Kursverluste verzeichnet. Das Papier verlor zeitweise über neun Prozent auf 5,50 Euro, die Marktkapitalisierung der Bank ging damit auf knapp 3,3 Milliarden Euro zurück.

Die Commerzbank hatte am Wochenende einen Zeitungsbericht über angebliche Probleme im Geschäft mit Kreditderivaten dementiert und zugleich rechtliche Schritte gegen die US-Bank Merrill Lynch angekündigt.

E-Mail

Die Financial Times hatte berichtet, Merrill habe eine E-Mail an die Ratingagentur Standard & Poor's geschickt. In diesem Schreiben habe die Bank die Agentur darum gebeten, Marktgerüchte über angebliche finanzielle Schwierigkeiten und hohe Verluste im Handelsgeschäft mit Kreditderivaten bei der Commerzbank zu kommentieren.

Commerzbank-Sprecher Ulrich Ramm hatte am Wochenende gesagt, die Commerzbank habe weder Liquiditätsprobleme noch Schwierigkeiten im Derivatehandel. Das Eigenkapital der Bank sei keineswegs angegriffen, die Kernkapitalquote (tier 1) betrage derzeit 6,5 Prozent. "Wir können uns die Vielzahl der Spekulationen nicht erklären und sehen darin in erster Linie Konkurrenzschelte. Aus unserem Geschäftsverlauf sind sie nicht abzuleiten", so Ramm.

Ängste

"Die Gerüchte und die daraus resultierenden Kursverluste reflektieren die Angst der Investoren, dass die Bank vor großen Problemen stehen könnte", sagte Konrad Becker, Bankenanalyst bei der Privatbank Merck Finck & Co in München. "Aber wenn man sich die jüngsten Daten wie die tier-1-Quote und die Risikovorsorge ansieht, gibt es keinen Hinweis darauf, dass bei der Commerzbank Dramatisches geschieht."

Die Bank sei allerdings das schwächste der deutschen Geldhäuser und insofern überrasche es nicht, wenn sich die Ängste hinsichtlich der generell schwachen deutschen Bankenbranche an der Commerzbank entzündeten.

Becker hat die Bank derzeit auf "underperformer" eingestuft. Derek Chambers von HSBC Securities (London) sagte, die Risikovorsorge von vermutlich 1,3 Mrd. Euro, die die Bank angekündigt habe, sei nicht das Problem. Probleme im Handel mit Derivaten habe die Bank dementiert. Allerdings sei es möglich, dass die niedrigen operativen Erträge und der Anstieg der Kosten die Liquidität der Bank belasteten. (Reuters, DER STANDARD, Printausgabe 8.10.2002)

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    Deutschlands drittgrößte Geschäftsbank kommt nicht zur Ruhe. Alle Dementis zu möglichen Finanzproblemen halfen nichts, die Aktie rutschte am Montag in den Keller.

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