Der Fadenwurm Caenorhabditis elegans

7. Oktober 2002, 17:53
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Hamburg - Der im Boden lebende Fadenwurm Caenorhabditis elegans (C. elegans) hat als ausgewachsenes Tier eine Länge von rund einem Millimeter. Nematoden wie er zählen zusammen mit den Insekten zur erfolgreichsten Tiergruppe überhaupt. Sie kommen in allen Ökosystemen vor.

Nobelpreisträger Sydney Brenner wählte den Wurm in den sechziger Jahren als Modellsystem aus. Bereits zehn Jahre später hatten Wissenschafter seine gesamte Zellentwicklung von der Eizelle bis zum ausgewachsenen Wurm beschrieben. 1998 war er der erste vielzellige Organismus, dessen komplettes Genom - die Gesamtheit aller Gene - entziffert war. Entwicklungsbiologen betrachten Caenorhabditis elegans daher als "gläsernern" Organismus.

Als Modellsystem für die entwicklungsbiologische Forschung eignet sich der Fadenwurm vor allem wegen des Phänomens der Zellkonstanz: Das Muster der Zellteilungen während der Entwicklung eines jeden Wurms gleicht dabei exakt der Entwicklung eines beliebigen Artgenossen. Die Forscher haben den Zellen sogar mittlerweile Namen gegeben und können ihr Schicksal während der Entwicklung des Wurms genau vorhersagen.

Auf besonderes Interesse ist dabei der programmierte Tod (Apoptose) von 131 Zellen gestoßen, die während der Entwicklung des Individuums absterben. Von seinen ursprünglich 1090 Zellen hat das erwachsene Tier nur noch 959. Von Vorteil für die Forschung ist bei Caenorhabditis elegans zudem, das Mutanten, bei denen eigentlich zum sterben vorbestimmte Zellen überleben, nicht zwangsläufig sterben müssen.

Die dafür verantwortlichen Gene sind Genen ähnlich, die auch beim Menschen den programmierten Zelltod (Apoptose) steuern. Erkenntnisse die an Caenorhabditis elegans gewonnen werden, können somit auch auf den Menschen übertragen werden. Die Untersuchungen liefern unter anderem Erkenntnisse für die Krebsforschung. (APA/dpa)

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