Bisherige deutsche "Superminister" hatten keinen langen Atem

7. Oktober 2002, 17:28
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Schiller, Schmidt und Lafontaine waren jeweils nur kurz im Amt

Berlin - Wolfgang Clement ist nicht der erste "Superminister" in einer deutschen Bundesregierung. Vor ihm trugen bereits die SPD-Politiker Karl Schiller, Helmut Schmidt und Oskar Lafontaine diesen Titel. Lange waren diese drei "Superminister" allerdings nicht im Amt. Unter ihrer Leitung wurde die Zuständigkeit für Finanz- und Wirtschaftspolitik zusammengefasst oder stärker gebündelt. Eine Zusammenlegung der Ressorts Wirtschaft und Arbeit, wie sie jetzt unter dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Wolfgang Clement (SPD) geplant ist, gab es auf Bundesebene bisher noch nicht.

KARL SCHILLER (SPD) war der erste "Superminister", den Deutschland hatte. Inmitten der Währungskrise 1971 übernahm der Wirtschaftsminister der sozialliberalen Regierung unter Willy Brandt auch noch das Finanzressort. Amtsinhaber Alex Möller hatte den Posten am 13. Mai aus Protest gegen seine wenig sparfreudigen Parteikollegen niedergelegt. Nach nur gut einem Jahr im Amt, am 7. Juli 1972, gab jedoch auch Schiller auf: Seine Kabinettskollegen weigerten sich, die von ihm geforderten Einsparungen mitzutragen.

Schillers Nachfolger als Chef des Superressorts wurde der spätere Bundeskanzler HELMUT SCHMIDT (SPD). Auch er blieb nur gut vier Monate bis zu den vorgezogenen Neuwahlen am 19. November 1972 in diesem Amt. Schmidt hielt wenig von einem schwer regierbaren Superministerium, in dem sich steuerpolitische Interessen und ökonomische Grundsatz-Überlegungen vermischten. Er wurde im Dezember 1972 Finanzminister - und schwächte das Wirtschaftsministerium erheblich, indem er die Abteilung Geld und Kredit ins Finanzministerium mitnahm.

Der dritte "Superminister" war OSKAR LAFONTAINE. Der SPD-Politiker trug den Titel, obwohl er nicht Chef über zwei Ministerien war. Lafontaine entzog aber nach dem Regierungswechsel 1998 dem Wirtschaftsministerium sein Herzstück: die Grundsatzabteilung mit der Zuständigkeit für Sachverständigenrat und Wirtschaftsforschungsinstitute. Weil er sich mit Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) überworfen hatte, schmiss Lafontaine jedoch nach nur einem halben Jahr im März 1999 sein Amt hin. Unter seinem Nachfolger HANS EICHEL (SPD) blieben die Zuständigkeiten des Ministeriums bestehen, auch wenn sich Eichel weniger als "Superminister", denn als "Sparkommissar" einen Namen machte. Wirtschaftsminister WERNER MÜLLER (parteilos) hatte vergeblich versucht, das verlorene Terrain im Laufe seiner Amtszeit zurückzuerobern. (APA)

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