Im Grunde geht’s um die Bürgermeister

8. Oktober 2002, 13:35
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Die Wahl zeigte, dass die Ortschefs den Menschen mehr am Herzen liegen als die Wahl zu den Ortsparlamenten

Eisenstadt - Zahlen können, das wahrscheinlich ist auch ihr Wesen, gewaltig täuschen. Vor allem der schlampige Umgang mit den Wörtern "Prozent" und "Prozentpunkt" kann einen leicht in die Irre führen. Die FPÖ hat bei den sonntägigen Gemeinderatswahl im Burgenland nicht 3,9 "Prozent" verloren, sondern "Prozentpunkte", was in Prozent dann beinahe minus 50 bedeutet und in Mandate umgerechnet deutlich mehr als minus 50. Die Freiheitlichen verloren landesweit 108 Mandate, halten zurzeit bei 96 und sind im Burgenland somit zum Status einer Fünf-Prozent-Partei zurückgekehrt. Freilich ist dieser Trend nicht in jeder Gemeinde gleichermaßen zu beobachten. Dort, wo starke Personen - vor allem solche, die ernsthaft ums Bürgermeisteramt mitreden können - das bundespolitische Tohuwabohu zudeckten, ist die FPÖ weiterhin ein Faktor.

Drei Blaue stehen zur Wahl

In drei der 16 Stichwahlgemeinden - Halbturn, Deutschkreutz und Oberschützen - stehen am 20. Oktober Blaue zur Wahl. Am meisten schmerzt die FPÖ dies in Halbturn, wo Parteichef Stefan Salzl amtiert. Seine Partei verlor dort elf Prozentpunkte, bei der Bürgermeisterwahl rutschte Salzl von 66,5 Prozent auf 41,7. Und zwar, wie er selbst meint, im Sog des Bundestrends.

Das mag für die FPÖ zutreffen, für die anderen Parteien tut es das nur in sehr eingeschränktem Maße. Es hat sich gezeigt, dass die Menschen die beiden parallelen Wahlgänge ganz genau auseinander halten. Und auch ihr diesbezügliches Votum ist klar: Die wichtigere der beiden Wahlen ist die zum Bürgermeister.

Parteigrenzen unerheblich

Während bei den Gemeinderatswahlen landesweit 7,87 Prozent ungültig wählten, taten dies bei der Bürgermeisterwahl nur 3,52. Aber es liegt nicht nur daran, dass im Durchschnitt die Bürgermeister mehr Zustimmung gefunden haben als ihre jeweiligen Parteien. Das geht zum Teil so weit, dass auch Parteigrenzen keine Rolle spielen. Im südburgenländischen Neustift an der Lafnitz gewann die SPÖ 66,3 Prozent, ihr Bürgermeisterkandidat allerdings 88,6, und das lässt sich eben nur damit erklären, dass viele bewusst ihre beiden Stimmen gesplittet haben. In elf Gemeinden kommen die Bürgermeister aus der Minderheitspartei. Aber das Stimmensplitting funktioniert natürlich auch in umgekehrter Richtung. In acht Gemeinden kann die Mehrheitspartei nicht den Bürgermeister stellen. Im nordburgenländischen Zurndorf etwa wählten 48,6 Prozent die SPÖ, der ÖVP-Kandidat erhielt 48,1 Prozent, fast 14 Prozentpunkte mehr als seine Partei. Noch deutlicher in Müllendorf, wo 53,3 Prozent der SPÖ die Absolute zusprachen, mit 50,4 Prozent gewann allerdings der ÖVP-Kandidat.

Ein ganz erstaunlicher Trend hat die SPÖ erfasst. Im Durchschnitt hat sie knapp vier Prozentpunkte gewonnen. Dort aber, wo Bürgermeister antraten, legte die Partei gleich um acht Prozentpunkte zu. Die Ausnahme ist Bad Sauerbrunn, wo eine Bürgerliste die Stichwahl erstritt. (DERSTANDARD, Printausgabe,7.10.2002)

Wolfgang Weisgram
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