Ein Macher, der keinem Streit aus dem Weg geht

7. Oktober 2002, 20:55
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Clement wird zum "Superminister" an Gerhard Schröders Seite.

Er hatte schon den Spitznamen "Prinz Charles der deutschen Politik", als Johannes Rau 1998 den Weg für Wolfgang Clement frei machte, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen zu werden. Clement war damals 58. Er sah die Übernahme des Chefsessels in der Düsseldorfer Staatskanzlei als letzte Station seiner politischen Laufbahn.

Aber es kam nun doch anders: Das Angebot von Bundeskanzler Gerhard Schröder, Superminister für Arbeit und Wirtschaft in Berlin zu werden und damit in die Fußstapfen des legendären SPD-Ministers Karl Schiller zu treten, war zu verlockend. (In Österreich sorgte das Zusammenlegen dieser Agenden im Ressort von Martin Bartenstein im Jahr 2000 für Diskussionen.)

"Superminister" war Clement schon einmal: Mitte der 90er-Jahre bekam er in Nordrhein-Westfalen nicht nur die Agenden des Wirtschaftsministeriums, sondern auch jene für Medien und Telekommunikation sowie für Verkehrspolitik zugesprochen.

In dieser Funktion konnte Clement, der wie Schröder als "Genosse der Bosse" gilt, Erfolge bei der Schaffung von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen sowie Existenzgründungen vorweisen. Es gelang ihm auch, die Abhängigkeit von traditionellen, aber schwindenden Wirtschaftszweigen wie dem Bergbau zu verringern. Diese Kompetenzen und seinen guten Draht zur Wirtschaft will Schröder nun nutzen. Clements zentrale Aufgabe wird die Umsetzung der Vorschläge der Hartz-Kommission zur Arbeitsmarktreform sein.

Schröder hat sich keinen bequemen Minister an den Kabinettstisch geholt. Clement stellte sich auch im Bundesrat, der Länderkammer, des Öfteren gegen die Politik der rot-grünen Bundesregierung. Er sieht sich als "Politikmanager" und gilt als ungeduldig, selbstbewusst, aber auch als sehr dynamisch. In Düsseldorf ging er häufig auf Konfrontationskurs zu Gewerkschaften und Grünen.

Er ist dafür bekannt, keinem Streit - auch nicht mit den Medien - aus dem Weg zu gehen. Dabei war der studierte Jurist selbst jahrelang Redakteur, bevor er mit 41 Jahren vom Journalismus in die Politik wechselte. Der SPD gehört er seit seinem 30. Lebensjahr an. Der gebürtige Bochumer wurde zuerst Sprecher der SPD, dann stellvertretender Bundesgeschäftsführer und schließlich von seinem politischen Ziehvater Rau mit verschiedenen Ämtern betraut.

Bevor er mit Schröder konkret verhandelte, hielt Clement Familienrat. Denn der als Macher in der Politik bekannte Clement steht nach eigenem Bekunden zu Hause "unter dem Pantoffel". Der Rat seiner Frau Karin und der fünf erwachsenen Töchter, die ihn beim Joggen auf Trab halten, ist ihm wichtig. Erst als seine Frau sich bereit erklärte, mit nach Berlin zu kommen, sagte Clement zu.(DER STANDARD, Printausgabe, 8.10.2002)

Alexandra Föderl-Schmid
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    Wolfgang Clement, Superminister

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