DAX: Rasanter Werteverlust

7. Oktober 2002, 18:58
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Keine Aktie mehr über 100 Euro wert - Börsenschwergewichte könnten in Frankfurt bald zum Centbetrag erhältlich sein

Frankfurt - An der Frankfurter Börse halten es die ersten Marktteilnehmer nur noch für eine Frage der Zeit, bis der Aktienkurs des ersten Börsenschwergewichts weniger als ein Euro wert sein wird. Mit Beginn der neuen Handelswoche verschwand die letzte Aktie mit einem Kurs von über 100 Euro: Der Kurs des Versicherers Münchener Rück fiel am Montagvormittag in den zweitstelligen Bereich zurück. Auch im MDAX sank mit dem Hamburger Kosmetikkonzern Beiersdorf der letzte Wert unter die 100-Euro-Marke.

Angesichts der anhaltend kräftigen Kursverluste in der jüngsten Vergangenheit ist es nicht länger unvorstellbar, dass Börsenschwergewichte zum Centbetrag erhältlich sein könnten. "Ich halte das für absolut denkbar", sagte der Fondsmanager der Helaba, Ralph Lau. So habe die Aktie der Münchener Rückversicherung in der vergangenen Handelswoche rund 25 Prozent an Wert verloren. Nach knapp 400 Euro im Herbst 2000 waren die Anteilsscheine am frühen Montag weniger als 100 Euro wert.

Symbolische Bedeutung

Ein nur noch zweistelliger Kurs habe aber eine symbolische Bedeutung: Aufmerksam beobachteten Anleger, ob die Aktie weniger als 10 Euro koste. "Da haben die Leute das Gefühl, dass etwas im Argen ist", betonte Lau. Mit Infineon, Commerzbank, MLP, EPCOS, Deutscher Post, Deutscher Lufthansa, Deutscher Telekom und ThyssenKrupp sind bereits acht Unternehmen im DAX, deren Anteilsscheine gegenwärtig unter diese "Vertrauensgrenze" gerutscht sind. Welche DAX-Aktie als erste zum so genannten Penny Stock schrumpfen könnte, wird unterschiedlich beurteilt.

Ausschluss von Infineon?

Experte Lau tippt auf den Münchner Chiphersteller Infineon Technologies. Trotz des nahenden Weihnachtsgeschäfts blieben die erhofften Bestellungen seitens der Anbieter von Spielekonsolen bislang aus. Für einen Frankfurter Aktienhändler sind MLP und Commerzbank die "heißesten" Kandidaten. "Die Frage ist, werden die Papiere vorher von der Börse aus dem DAX ausgeschlossen oder geht es schnell und rapide mit dem Kurs abwärts."

Zwar leiden sämtliche europäischen Börsen unter Rezession, Kriegsangst und dem gestiegenen Ölpreis. Wegen seines hohen Anteils an Finanz-Werten fallen die Verluste des Deutsche Aktienindex jedoch seit Jahresbeginn überdurchschnittlich stark aus. In Paris und London stützen hingegen die von der Irakkrise profitierenden Ölwerte wie TotalFinaElf oder BP die Indizes. "MLP ist deshalb ja auch lange Zeit nicht in den DAX aufgenommen worden, weil das Übergewicht der Finanzaktien noch größer geworden wäre", erinnerte sich der Händler. In schlechten Zeiten hielten sich Börsenbarometer mit einem ausgeglicheneren Branchenmix besser.(APA/dpa)

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