"Wetten, dass ...": Wettkönig als Rechentrickser

8. Oktober 2002, 12:01
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Steirischer Hobbymagier legte Gottschalk mit Dürertrick rein - "Typische Aufgabe aus einem Rätselheft"

Thomas Gottschalk könnte bei "Wetten, dass..." zum zweiten Mal auf einen Trickser herein gefallen sein: Das angebliche Mathematik-Genie aus der Steiermark, das am Samstagabend von den Zuschauern zum Wettkönig gewählt wurde, soll bei seinem Zahlenkunststück einen Rechentrick verwendet haben, der von einem Bild von Albrecht Dürer stammt.

"Titanic"-Buntstiftwette

Bereits vor 14 Jahren hatte ein Redakteur der Satire-Zeitschrift "Titanic" Gottschalk aufs Kreuz gelegt. Der damalige "Titanic"-Chef Bernd Fritz hatte behauptet, er könne die Farbe von Buntstiften durch Lecken an der Spitze erkennen - in Wahrheit schielte er unter der Brille durch, die ihm eigentlich die Sicht versperren sollte.

Rechentrickser ...

Noch am Wochenende wollten gleich mehrere Zuschauer den Trick des 41-jährigen Wettkönigs Alfred Weber aus der Weststeiermark enttarnt haben. "Das klingt nach einer typischen Aufgabe aus einem Rätselheft", meinte etwa ein Elektrotechniker aus Germering und entschlüsselte Webers Vorgehen in der Münchner "tz". Auch eine Leserin des Kölner "Express" erkannte, dass hinter der kompliziert aussehenden Rechnung ein einfaches Schema aus ein- und zweistelligen Zahlen steckt.

"Magisches Quadrat"

Hobbymagier Weber bediente sich angeblich eines so genannten magischen Quadrats, das seit Jahrhunderten zu den beliebtesten Zahlenrätseln gehört. Das von Weber verwendete Schema hatte schon Albrecht Dürer 1514 in seinem weltberühmten Kupferstich "Melencolia" verewigt.

Und so funktioniert's ...

So funktioniert der Trick: In ein quadratisches Raster aus 16 Feldern trägt man die Zahlen von eins bis 16 so ein, dass in jeder Reihe waagrecht und senkrecht als Summe 34 herauskommt, wenn man die Zahlen zusammenzählt. Mit einer einfachen Rechenaufgabe kann man nun statt 34 auch jede andere Zahlensumme erzeugen und braucht dabei nur die Zahlen 13, 14, 15 und 16 durch andere zu ersetzen, alle anderen Zahlen bleiben gleich und man kann sie leicht auswendig lernen.

Weber wandelte die Reihenfolge der Dürer-Zahlen nur ganz leicht ab - und damit es schön kompliziert aussieht, multiplizierte er jede Zahl mal 4.096. Nun standen statt der Zahlen eins bis 16 auf einmal fünf-und sechsstellige Zahlenungetüme an der Tafel, statt zwölf etwa 49.152. Jetzt konnte Gottschalk die Wette des Hobbyzauberers vorlesen: "Wetten dass, Alfred Weber in vier Minuten ein 16-teiliges Zahlenquadrat so mit Zahlen füllen kann, dass die jeweilige Quer-, Längs- und Diagonalsumme die gleiche sechsstellige Zahl ergeben - und keine der 16 Zahlen kommt doppelt vor."

Wettpate Mike Krüger scherzte noch: "Das ist ja einfach" - und wusste gar nicht, wie recht er damit hatte. Krüger gab Weber die Zahl 216.784 vor. Der Österreicher musste nur noch die Summe der drei niedrigsten Zahlen der ersten waagrechten Reihe abziehen (1 x 4.096 + 12 x 4.096 + 7 x 4.096) und bekam nun 134.864 heraus, die nun der Zahl 14 aus dem Urschema entsprach. Von dieser Zahl konnte er nun ganz einfach im Kopf aus den Schema-Zahlen 13, 15 und 16 die neuen Zahlen ausrechnen, damit die von Krüger genannte Summe herauskam. So musste Weber nur vier der 16 Zahlen errechnen, alle anderen konnte der Hobbymagier auswendig an die Tafel schreiben.

Keine hunderprozentige Sicherheit

Das ZDF nimmt den Trick gelassen: "Den Zuschauern hat es ja offensichtlich gefallen", sagt ZDF-Sprecher Peter Gruhne über die Wahl Webers zum Wettkönig. Es gelte nach wie vor der Grundsatz, dass alle Wetten nur nach eingehender Prüfung durch die Redaktion gesendet würden. "Der Fall zeigt aber, es gibt keine hundertprozentige Sicherheit", erklärt Gruhne. (APA)

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    Wettkönig Alfred Weber und Thomas Gottschalk

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