Kulturredakteure bedauern Wortwahl der "Lüge"

7. Oktober 2002, 16:53
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Entschuldigung "in Erwartung konstruktiver Gespräche" - Lindner: Gespräche wird es geben, aber Frage, "wie weit sich leitende Mitarbeiter gegen das Unternehmen stellen"

Für den "Vorwurf der Lüge" hat sich die Redakteursversammlung der ORF-Hauptabteilung Kultur im Fernsehen am Montag bei einer Versammlung entschuldigt. Nach wie vor stehe man aber zum Inhalt der am vergangenen Freitag veröffentlichten Resolution. (siehe dazu: Die Resolution als Download), heißt es in einem von den Kulturredakteuren verfassten Schreiben (siehe Download links). ORF-Generaldirektorin Monika Lindner äußerte am Montag grundsätzlich Verständnis und kündigte Gespräche an. "Was zu prüfen ist, ist die Frage, wie weit sich leitende Mitarbeiter gegen das Unternehmen stellen und nicht im Vorfeld danach trachten, Konflikte wie diese gemeinsam mit der Geschäftsführung zu bewältigen", betonte sie aber.

ORF-Führung verlangte Entschuldigung und signalisiert Gepsrächsbereitschaft

In der Resolution hatten die Redakteure mangelnde Kommunikationsbereitschaft seitens der ORF-Spitze sowie zu wenig Einbindung bei der Entwicklung neuer Sendungen kritisiert. Weiter moniert wurden unter anderem ungünstige Sendeplätze für Kultursendungen und Quotendiktate für anspruchsvolles Programm. Da in der Resolution drastische Formulierungen wie "Quotenlüge" und "Sendeplatzlüge" gewählt wurden, hatte die ORF-Führung eine Entschuldigung verlangt, zugleich aber Gesprächsbereitschaft signalisiert.

"Der Bedingung, uns für den Vorwurf der Lüge zu entschuldigen, kommen wir in Erwartung konstruktiver Gespräche gerne nach", hieß es nun am Montag seitens der Redakteure. "Umso mehr, als es nicht die Absicht der Redakteursversammlung war, die Geschäftsführung der Lüge zu bezichtigen. Wir bedauern diese Wortwahl und entschuldigen uns dafür in der gebotenen Form. Zum Inhalt der Resolution steht die Redakteursversammlung nach wie vor einstimmig."

"Brachliegende Kommunikation"

Das Anliegen der Resolution sei es weiterhin, "die brachliegende Kommunikation zu beleben und damit auch unsere bisher nicht in Anspruch genommene Mitarbeit an neuen Sendeformaten - vor allem seit der Absetzung der 'Kunststücke' - anzubieten", wurde weiters betont.

Enquete zur Frage Kulturprogramm

"Es wird Gespräche geben", sagte dazu Lindner bei der Sitzung des ORF-Publikumsrats. Die Aktion sei ihrer Ansicht nach auch noch als "Nachwehe" der Absetzung der "Kunst-Stücke" zu sehen. Insgesamt habe sie "viel Verständnis dafür, dass sich die Mitarbeiter, und vor allem die Freien Mitarbeiter Sorgen machen und dass es eine gewisse Unsicherheit gibt."

Caritas-Präsident Franz Küberl, Mitglied im Stiftungsrat und im Publikumsrat, konnte sich am Montag eine Enquete zur Frage Kulturprogramm im öffentlich-rechtlichen Fernsehen vorstellen, wie er sagte. (APA)

  • Das Schreiben der Kulurredakteure (7.10.2002)

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