Ex-Frau mit 51 Messerstichen getötet

7. Oktober 2002, 14:58
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Urteil lautet 18 Jahre Haft

Wien - Mit 51 wuchtigen Messerstichen wurde in der Nacht zum 4. Mai 2002 die 39-jährige Litove Qu. (39) in ihrer Wohnung in Wien-Donaustadt getötet. Ihr Ex-Mann Nzuzi Qu. (33) musste sich am Montag wegen Mordes vor einem Schwurgericht (Vorsitz: Kurt Wachsmann) verantworten. "Er ist ein Mann mit zwei Gesichtern", sagte Biko Botowamungu über den Angeklagten. Der ehemalige Profiboxer und Teilnehmer an den Olympischen Spielen war der ältere Bruder der Toten.

Im Anschluss an seine Sportler-Karriere war Botowamungu nach Amerika ausgewandert. Als er 1995 nach Österreich zurück kehrte, hatte seine Schwester gerade geheiratet. "Meine Tante hat mir gesagt, dieser Mann ist ein Monster", erinnerte sich der Ex-Boxer. Seine Schwester wäre von ihm geschlagen worden. Er persönlich habe Nzuzi Qu. als "falsch" empfunden. Als Baptisten-Priester - diese Funktion übt Botowamungu mittlerweile offiziell aus - könne er so etwas einschätzen.

"Zu viel für mich"

Der gewaltsame Tod seiner Schwester habe ihn schockiert: "Ich weiß nicht, wann ich zuletzt in meinem Leben so geweint habe." Nzuzi Qu. behauptete, das Verbrechen sei "unbewusst" geschehen. Seine Ex-Frau - er hätte nach der Scheidung die gemeinsame Wohnung Ende Mai verlassen müssen - habe ihn geschimpft, weil er einen Brief öffnete, der an sie adressiert war. Er habe sich darauf Kopfhörer aufgesetzt, um sie nicht anhören zu müssen. Diese habe sie ihm einfach weg gerissen. "Es war zu viel für mich", sagte der Arbeiter, der nach Österreich gekommen war, weil er als Zeuge Jehova in seiner Heimat Angola kein leichtes Leben hatte. Litove habe ihn "sieben Jahre unter Druck gesetzt": "Diese Verletzungen sind unsichtbar".

Er wisse nicht, weshalb er das Messer genommen habe: "Das war unbewusst". Bei der Waffe handelte es sich um ein Kampfmesser des Bundesheers. Klingenlänge: 16,5 Zentimeter.

18 Jahre Haft

Das Gericht verhängte über Nzuzi Qu. nach kurzer Beratungszeit 18 Jahre Haft. Der Schuldspruch wegen Mordes ist nicht rechtskräftig, der 33-jährige Schwarzafrikaner meldete dagegen Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung an. In seiner Einvernahme hatte der Mann seine Ex-Frau in ein schlechtes Licht zu rücken versucht. Sie habe ihm wiederholt beschieden, ihn nicht zu lieben, ihn als "Sklaven" behandelt, während sie sich als "Königin" stilisierte, so der Angeklagte. Weshalb sich die Ehe verschlechterte, könne er nicht beantworten, habe er ihr doch alles recht machen wollen: "Ich bin ein guter Ehemann. Auch sexuell."

Demgegenüber trat allerdings eine Bekannte der Frau auf, die auf Wunsch von Litove Qu. zuletzt öfters bei ihr genächtigt hatte, da sich die 39-Jährige vor ihrem Ex-Mann fürchtete. Mehrfach sei dieser "ausgerastet", sagte die Zeugin. (APA)

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