Tourismus: Österreich verliert Marktanteile

7. Oktober 2002, 19:01
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Verkehrsbüro-Chef Tucek vermisst stimmiges Konzept: "Was fehlt ist eine positive Tourismusgesinnung"

Wien - Österreichs Tourismus droht im internationalen Vergleich weiter in Rückstand zu geraten. Konnte sich die Branche 1991 mit einem Marktanteil von 9,4 Prozent in Europa noch ganz vorne behaupten, ist diese Kennziffer nach Berechnungen der Welt-Tourismus-Organisation inzwischen auf 4,5 Prozent geschrumpft. "Trotzdem gibt es noch immer kein stimmiges Konzept zur Förderung des Tourismus", sagte der Chef des Österreichischen Verkehrsbüros, Rudolf Tucek, bei einer Veranstaltung im Schloss Schönbrunn.

Chancen würden in Österreich ungenutzt verpuffen. Darüber könnten auch die seit 1998 wieder leicht steigenden Ankunfts- und Nächtigungszahlen nicht hinwegtäuschen. "Was fehlt, ist eine positive Tourismusgesinnung im Land", sagte Tucek.

Vernetzung

Dabei sei der Tourismus mit einem von den Wirtschaftsforschern errechneten Anteil von rund 16 Prozent am Bruttoinlandsprodukt ein gewichtiger Wirtschaftsfaktor, in dem etwa eine halbe Million Menschen beschäftigt seien. Wie kaum eine andere Branche sei der Tourismus stark mit verschiedensten Wirtschaftszweigen vernetzt. "Geht es dem Tourismus schlecht, bekommen das sofort auch die Bauwirtschaft, der Handel, das Gewerbe zu spüren", sagte der Verkehrsbüro-Chef.

Franz Sattlecker, einer der beiden Geschäftsführer der Schloß Schönbrunn Kultur-und Betriebsges.m.b.H und Mitinitiator der heuer erstmals veranstalteten Schönbrunner Tourismusgespräche, sieht in "viel zu viel Gegeneinander als Miteinander" eines der Hauptprobleme im österreichischen Tourismus. Die klein strukturierten Organisationsformen mit Zuständigkeiten, die bei Länder- und Gemeindegrenzen aufhörten, stammten noch aus den Sechziger-, Siebzigerjahren und seien bis heute fast unverändert geblieben. Wenn Österreichs Tourismusbranche nicht den Anschluss verpassen wolle, müssten so schnell wie möglich branchenübergreifende und grenzüberschreitende Kooperationen und Strukturen geschaffen werden, forderte Sattlecker.

Das Schloss Schönbrunn, das seit zehn Jahren von einer privaten Gesellschaft betrieben wird, ist mit rund 1,8 Millionen Besuchern im Jahr die meistbesuchte Kulturstätte Österreichs. Die Einnahmen haben sich nach Angaben von Sattlecker seit 1991 von rund 4,5 Mio. Euro auf mehr als 20 Mio. Euro erhöht; statt Verluste zu schreiben wie in der Zeit davor, erwirtschafte die Betriebsgesellschaft nun Jahr für Jahr einen operativen Gewinn von sieben bis acht Mio. Euro, sagte Sattlecker. (stro, DER STANDARD, Printausgabe 8.10.2002)

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