Furcht vor nächster Pleitewelle in Japan

7. Oktober 2002, 19:08
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Nikkei-Index auf tiefstem Stand seit Juni 1983

Tokio - Die Furcht vor einer Pleitewelle japanischer Unternehmen hat am Montag die Finanzmärkte in Tokio belastet und den Nikkei-Index auf den tiefsten Stand seit Juni 1983 gedrückt. Experten zufolge könnten die Bankenreformpläne von Ministerpräsident Junichiro Koizumi die Existenz hoch verschuldeter Unternehmen bedrohen und das Wirtschaftswachstum in Japan insgesamt schwächen.

Der 225 führende Werte umfassende Nikkei-Index sank um 3,76 Prozent auf 8688 Punkte. Der Topix-Index büßte 3,49 Prozent auf 860 Zähler ein. Auch der Yen gab deutlich nach, sodass der Dollar auf ein Zwei-Wochen-Hoch von beinahe 124 Yen zulegte.

Die Ernennung von Heizo Takenaka als Minister für die Finanzaufsicht hatte zuletzt Befürchtungen ausgelöst, die Regierung könnte eine härtere Gangart gegenüber den Banken einschlagen und sie zwingen, ihre faulen Kredite abzuschreiben. Nach amtlichen Angaben lasten auf japanischen Banken faule Kredite über 428 Mrd. Euro. Experten schätzen jedoch, dass die Dunkelziffer weitaus höher liegen könnte.

Zusammenbrüche

Für zusätzliche Verunsicherung sorgte die Aussage Takenakas, dass keine Bank zu groß für einen Zusammenbruch sei. Die Bankreform dürfte zu einer Reihe von Unternehmenszusammenbrüchen führen. "Wenn Banken eine striktere Haltung gegenüber ihren hoch verschuldeten Firmenkunden einnehmen, werden wir auf breiter Front Insolvenzen sehen, die einst durch Rettungspakete von Banken und Schuldenerlässe erhalten wurden", sagte Ökonom Shiro Abe von der Teikoku Databank.

Zu den größten Verlierern gehörten am Montag die Aktien der nach Vermögenswerten weltgrößten Bank Mizuho Holdings, die um 7,6 Prozent fielen. Die Aktien von UFJ Holdings, die als schwächste der vier Großbanken gilt, brachen fast um zwölf Prozent ein. Die Aktien des angeschlagenen Einzelhandelskonzerns Daiei gaben um 30 Prozent nach. Daiei hatte im Februar von UFJ Kredite von vier Mrd. Dollar erhalten.

Der Vorsitzende der größten japanischen Wirtschaftsvereinigung sprach von einer kritischen Lage der japanischen Wirtschaft, wenn der Nikkei-Index unter die 8000-Punkte-Marke rutschen sollte. Der Einbruch bei den Aktien würde auch das Verbrauchervertrauen schwächen, sagte Hiroshi Okuda von der Japan Business Federation. "Ich habe die Sorge, dass es einen Teufelskreis gibt", sagte Okuda vor Journalisten. (Reuters, DER STANDARD, Printausgabe 8.10.2002)

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