Auf die Flut folgt der Ärger

7. Oktober 2002, 13:48
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Er hätte früher gewarnt werden müssen, dann wäre der Schaden kleiner, meint ein Sägewerks-besitzer in Salzburg. An viel Hilfe glaubt er nicht mehr.

Salzburg - "Je länger das dauert, umso mehr verflacht das Thema, umso spärlicher sind die Geldflüsse." Günther Deisl, Seniorchef des Sägewerks Deisl im Salzburger Adnet, macht sich keine allzu großen Hoffnungen, einen größeren Teil der Hochwasserschäden vom August wieder ersetzt zu bekommen.

25.000 Euro hat der 17 Beschäftigte zählende Betrieb bis jetzt erhalten. Ein Fünftel dieser finanziellen Hilfe kam von der Wirtschaftskammer. Der gesamte Schaden betrug allerdings rund 200.000 Euro.

Von der Politik fühlt sich Deisl im Stich gelassen. Das Land müsste eigentlich helfen, meint er. "Wir haben ja auch brav Steuern bezahlt." Zumindest die Hälfte der Gesamtschadenssumme sollte ausgeglichen werden, meint er. Den Rest könne sein Unternehmen mit einem Jahresumsatz von sechs Millionen Euro selber tragen.

Leben unterm Stausee

Was Deisl besonders wurmt: Ein Teil der Verluste wäre aus seiner Sicht durchaus vermeidbar gewesen. Sein Sägewerk steht im Adneter Ortsteil Seefeldmühle, nur einige hundert Meter am Almbach unterhalb des Wiestal-Stausees nahe Hallein. "Das ist wie im Kamptal, nur in kleinem Maßstab", beschreibt Sägewerksbesitzer Deisl die Situation.

Hätte nämlich der Kraftwerksbetreiber Salzburg AG die Anrainer zeitgerecht informiert, dass aus dem Stausee Wasser abgelassen werden muss, hätte man zumindest das Schnittholzlager ausräumen und das Rundholz noch sichern können. Dazu war es zu spät, als das Wasser dann kam. So sei viel Material einfach davongeschwommen.

Zumindest 60.000 Euro Schaden seien auf die zu spät erfolgte Warnung vor der Flutwelle zurückzuführen. Diese Darstellung wurde von der Salzburg AG jedoch immer bestritten: Man habe gemäß den geltenden Vorschriften alle Notdienste informiert, so lautet die Verantwortung des Energiekonzerns.

Obwohl sich Deisl sicher ist, dass die Salzburg AG "fahrlässig gehandelt" hat, will er nicht unbedingt vor Gericht ziehen. Sollte nämlich die Salzburg AG doch noch Gesprächsbereitschaft zeigen und den betroffenen Anrainern des Wiestalsees entgegenkommen, könnte deren Vorhaben, mit einer Sammelklage gegen den Energieriesen vorzugehen, wieder fallen gelassen werden. (Thomas Neuhold, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.10.2002)

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