MLP unter Beschuss

7. Oktober 2002, 16:19
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Deutscher Finanzdienstleister nun auch wegen Kursmanipulationen im Visier der Wertpapieraufsicht

Bonn/Mannheim - Der deutsche Finanzdienstleister MLP ist nun auch wegen des Verdachts auf Kursmanipulationen ins Visier der deutschen Wertpapieraufsicht geraten. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) bestätigte am Montag einen entsprechenden Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel". "Im Raum stehen auch Kurs- und Marktmanipulationen", sagte eine BAFin-Sprecherin. Die Behörde habe den Verdacht schon vor der abermaligen Durchsuchung von MLP-Geschäftsräumen in der vergangenen Woche gehegt und bei der Razzia das Augenmerk auch darauf gelegt. Gegen wen sich der Verdacht richte, wollte die Sprecherin nicht sagen. Die möglichen Kursmanipulationen stünden aber nicht unbedingt im Zusammenhang der Gewinnwarnung vom 2. August.

In Österreich hat sich MLP wie berichtet im Sommer vom 50 Prozent-Anteil an der MLP Lebensversicherung Österreich, einem Anbieter fondsgebundener Lebensversicherungen, getrennt und diese Beteiligung um 90 Mill. Euro an die österreichische UNIQA-Versicherung verkauft, der die MLP Leben damit zur Gänze gehört.

Die Bundesanstalt und die Staatsanwaltschaft Mannheim ermitteln in Sachen MLP schon wegen angeblichen Insiderhandels in zwei Fällen: Zum einen geht es rund um die drastische Korrektur der Prognosen Anfang August, zum anderen im Zusammenhang mit der zwei Jahre zurückliegenden Ankündigung der Umwandlung der Vorzüge in Stammaktien.

Fingierte Lebensversicherung

Der gegen MLP ermittelnde Mannheimer Staatsanwalt Hubert Jobski wollte sich am Montag nicht zu den Vorwürfen äußern, die Grundlage der erneuten Durchsuchung bei MLP waren. Das Magazin "Focus" berichtet in seiner neuesten Ausgabe unter Berufung auf Justizkreise, MLP-Aufsichtsratschef Manfred Lautenschläger habe 2001 eine fingierte Lebensversicherung über eine Milliarde Euro abgeschlossen, um dem Gewinn des Versicherungsvermittlers durch die fällige Provision von 60 Millionen Euro auf die Sprünge zu helfen. "Ich kann nicht sagen, in welche Richtung wir ermitteln", sagte Jobski. MLP wies die Darstellung des Magazins scharf zurück und hält den vor vier Wochen fristlos entlassenen Vorstand Dorian Simon für den Urheber der Meldungen.

Aktie bricht ein

Die MLP-Aktie gab im frühen Handel um 19 Prozent auf 5,62 Euro nach, etwas später lag sie mit 6,10 Euro noch um 11,8 Prozent unter dem Freitagsschluss. MLP droht mittlerweile der Abstieg aus dem DAX, weil die Marktkapitalisierung des Unternehmens stark gesunken ist. (APA/Reuters)

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