Steirischer Arzt nach Sex-Übergriffen an Patientinnen verurteilt

7. Oktober 2002, 13:30
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Urteil über bedingte Haftstrafe und Geldstrafe

Graz - In Graz wurde am Montag ein nicht alltäglicher Fall verhandelt: Dem Oberarzt eines steirischen Landeskrankenhauses wurde vorgeworfen, seine Patientinnen bis hin zum Geschlechtsverkehr sexuell belästigt zu haben. Zwischen 1996 und 2000 soll es zu mindestens fünf Fällen gekommen sein. Der Arzt leugnete und erklärte, es habe sich allesamt um notwendige Untersuchungen oder "kooperative Zusammenarbeit" seitens der Frauen gehandelt. Für drei der Fälle wurde er nun am Montag im Grazer Straflandesgericht verurteilt. Das Urteil - bedingte Haft sowie eine Geldstrafe - ist nicht rechtskräftig.

Zu den Vorfällen soll es im Zuge von verschiedensten Untersuchungen gekommen sein. Einer Patientin mit Kreislaufkollaps wurde befohlen, sich ganz auszuziehen, eine Venenuntersuchung soll nicht bei den Venen Halt gemacht haben und im Zuge eines Schwangerschafts-Ultraschalls soll es schließlich zum Beischlaf gekommen sein. Diesen letzten Punkt hatte der Angeklagte zwar auch anfangs bestritten, mittlerweile sieht er die Sache aber anders. Das habe die Patientin auch so gewollt: "Ich hatte das Gefühl, die steht auf mich", so der Beschuldigte.

Internist als "Gynäkologe"

Er habe - obwohl als Internist im Krankenhaus - bei Patientinnen immer wieder gynäkologische Untersuchungen durchgeführt. "Und wenn die gynäkologische Station überlastet ist?", wollte der Verteidiger das Verhalten seines Mandanten begründen. "Dann erzwinge ich die Untersuchung. Alles andere ist aus meiner Sicht Fachüberschreitung", erklärte einer der gerichtlichen Sachverständigen dezidiert.

Zwei der Vorwürfe wurden fallen gelassen. Das Urteil lautete schließlich auf vier Monate bedingter Haft sowie einer Geldstrafe von 1.920 Euro. Der Geschlechtsverkehr wurde nicht als Vergewaltigung gewertet, da laut Richterin Caroline List "keine Gewalt angewendet, sondern ein Überraschungsmoment ausgenützt wurde". Der mittelerweise arbeitslose Arzt erbat sich drei Tage Bedenkzeit. Die Staatsanwältin kündigte sofort Berufung gegen das Strafausmaß an. (APA)

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