Kochen, Putzen, Verantwortung

8. Oktober 2002, 11:01
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Dreiländer-Untersuchung in Deutschland, Schweiz und Österreich ergab höchste Belastungen für Österreichs Frauen in Haushaltsfragen

Wien - Schlechte Karten für die heimischen Hausfrauen: Sie sind in der Familie der größten Belastung ausgesetzt. Das ergab eine Dreiländer-Umfrage in Österreich, Deutschland und der Schweiz, die vom Konsumgüterkonzern "Procter & Gamble" in Auftrag gegeben und von der Ludwig Boltzmann Forschungsstelle für Politik und zwischenmenschliche Beziehungen in Wien durchgeführt wurde.

Bei der Untersuchung wurde eine teilnehmende Beobachtung von je 16 Familien in den unterschiedlichsten Städten und Regionen vorgenommen. Zusätzlich fand eine quantitative Befragung von je 400 Personen in Österreich und der Schweiz sowie 500 Personen in Deutschland statt. Das Ziel der Studie war die Erfassung diverser Haushaltstätigkeiten rund um das gemeinsame Familien-Abendessen in diesen drei Ländern.

Abendessen auf dem Tisch erwartet

Während es für die eidgenössischen Männer durchaus selbstverständlich ist, bei der Zubereitung einer idyllischen Abendmahlzeit mitzuhelfen, wird bei den deutschen Nachbarn zwar darüber gesprochen, an der Durchführung hapert es jedoch. "Dahingehend hoffen 50 Prozent der österreichischen Männer, dass, wenn sie nach Hause kommen, das Abendessen schon auf dem Tisch steht", sagte Edith Schlaffer, Leiterin der Forschungsstelle im Boltzmann Institut. Bei den Deutschen sind es noch 28 Prozent, bei den Schweizern überhaupt nur mehr 19 Prozent.

Frauen fühlen sich verantwortlich

Insgesamt tragen jedoch immer noch die Frauen den Löwenanteil aller Arbeiten, um einen gemeinsamen Familienabend zu gestalten. "80 Prozent der befragten Mütter und Ehefrauen fühlen sich für das Planen, Einkaufen, Kochen und für das Saubermachen verantwortlich", so Schlaffer. Im Gegensatz dazu fühlen sich nur 40 bis 50 Prozent der Männer für diese Arbeiten verantwortlich. "Das heißt aber nicht, dass sie es auch tun", meinte die Forschungsstellen-Leiterin. Die Männer seien eher "die Assistenten".

Trotzdem herrsche in allen drei Ländern Einigkeit darüber, dass sie ein gemeinsames Abendessen schätzen und sich es auch wünschen, erläuterte Schlaffer. Am liebsten zelebrieren eine solche Mahlzeit Familien, in der beide Partner in einem erfolgreichen Job tätig sind. "Die berufliche Zufriedenheit strapaziert das Familienleben am wenigsten", so Schlaffer. Aber auch für Alleinerzieher ist der gemeinsame Abend äußerst wichtig. "Sie müssen Arbeit, Familie und Haushalt unter einem Hut bringen. Deshalb ist für sie ein solches Essen ein Fixpunkt", erklärte die Expertin.

"Zuerst haben wir bei der teilnehmenden Beobachtung unseren Besuch angekündigt. Da waren die Wohnungen aufgeräumt und die Familienmitglieder sind mit erwartungsvollem Blick auf der Couch gesessen", erzählte Schlaffer. Deswegen wurden die Untersuchungsteilnehmer von der Arbeit abgeholt. "Und dann hatten wir das volle Spektrum der Realität", sagte die Expertin. (APA)

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    Putzen, schnell: Die heimischen Hausfrauen sind in der Familie der größten Belastung ausgesetzt.
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