WU: Unibeginn im Kinosaal

7. Oktober 2002, 18:14
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Die Wirtschaftsuni lagert die erste Vorlesung für Erstsemestrige in die Shopping City Nord aus

So gut sind Hörsaalbänke sonst nie gepolstert: Aufgrund des hohen Andrangs von Erstsemestrigen wurden an der Wirtschaftsuni Lehrveranstaltungen in Kinosäle der Shopping City Nord verlegt, nicht ohne vorher die Medien gründlich darüber zu informieren.

Ein Assistent steht 92 Studierenden gegenüber

An der WU überschreitet die Zahl der Erstinskribenten bereits jetzt die Gesamtzahl der Anfänger aus dem letzten Studienjahr um 27 Prozent. Bis Ende Oktober kann man sich noch neu einschreiben lassen - was WU-Rektor Christoph Badelt aber nicht für ratsam hält. Denn es herrsche nicht nur ein Raumproblem, sondern auch - bereits seit Jahren - Personalknappheit: So stehe an seiner Uni ein Assistent 92 Studenten gegenüber. Keine andere Hohe Schule in Österreich weist ein derartig schlechtes Zahlenverhältnis auf. Die in diesem "Ranking" nächstgereihte Uni wäre die Universität Linz mit einem Verhältnis von 1 : 44. Insgesamt sind knapp 20.000 Hörer an der WU inskribiert.

Rektor hofft auf Geld aus Studiengebühren

Badelt hofft auf das versprochene Geld aus den Studiengebühren, das ab 2004 fließen sollte. Dann würde die WU 14 Millionen Euro und damit ein Viertel mehr Budget als bisher erhalten. "Dann können wir - was das Betreuungsverhältnis betrifft - langsam einen regulären Betrieb ermöglichen, sagt er im _Standard-Gespräch.

Für Bildungsministerin Elisabeth Gehrer ist das Medienereignis kein politisches Drama: "Ich bin froh, wenn möglichst viele studieren." Das Parlament habe vor wenigen Tagen ohnehin eine Generalsanierung der WU beschlossen, in der Übergangszeit werde ein nebenstehendes Gebäude angemietet. Dass Letzteres endlich geschieht, darauf hofft man jetzt an der WU. Die Uni hat heuer ein umfangreiches neues Angebot, unter anderem das Bakkalaureatsstudium "Wirtschaftsinformatik" sowie das Diplomstudium "Sozioökonomie".

Die Studieneingangsphase wurde ebenfalls erneuert: Man setzt auf Großveranstaltungen mit nachfolgenden einheitlichen Prüfungen. Dafür werden dreimal im Semester rund 1500 Studenten gleichzeitig geprüft. Für diesen Zweck hat man Räume in der Wiener Stadthalle gemietet. Zumindest dieses Kapitel findet Badelt nicht tragisch.

Studenten unbekümmert

Und die Studenten? Sie wirkten relativ unbekümmert und lobten sogar die professionelle Abwicklung. Verstimmung gab es nur darüber, dass die Vorlesungen so weit außerhalb der Stadt stattfinden. Darüber hinaus werden Befürchtungen laut, dass es angesichts der hohen Studentenzahl zu "Knockout-Prüfungen" kommen könnte.

Badelts Angebot, den Studenten, die sich schnell wieder verabschieden, die Studiengebühren rückzuerstatten, ist laut Christoph Rohr, Bundesobmann der (VP-)Aktionsgemeinschaft, "ein Scherz. Die Leute kommen hierher, um zu studieren." Sie wegzuschicken sei keine Lösung. Empört ist Rohr auch über die (derzeit SP-dominierte) Bundes-ÖH, die den Umzug der WU ins SCN als "Marketinggag" bezeichnet hat. (mon, kuk/DER STANDARD, Printausgabe, 8.10.2002)

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    Wegen Platzmangel an der Wirtschafts-Universität Wien finden die Vorlesungen auch im Kinocenter des Shopping-Center-Nord statt.

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    Veränderte Bedingungen auch für die Lehrenden.

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