Viele neue Einzelunternehmer

7. Oktober 2002, 19:30
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Vor allem in Krisenbranchen wie IT steigt die Selbstständigenzahl

Wien - Die Firmenneugründungen in Österreich nehmen weiter zu, trotz der wenig ermutigenden wirtschaftlichen Rahmendaten. Wien steuert bis Jahresende auf einen Rekord bei den Neounternehmern zu, so der Wiener Wirtschaftskammerpräsident Walter Nettig am Montag. Rechnet man die Zahlen der ersten drei Quartale hoch, erwarten die Wiener Kämmerer bis Jahresende etwas mehr als 6500 neue Mitglieder, ein Plus von rund sechs Prozent. Österreichweit registrierte man bis September 21.939 Neugründungen - um knapp neun Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Freilich: 77 Prozent der neuen Unternehmen sind Einmann-/Einfrau-Betriebe, bestätigte Christoph Leitl, Präsident der Wirtschaftskammer Österreich, bei der Pressekonferenz. Noch dazu verzeichnen gerade jene Branchen Zuwächse, deren bestehende Unternehmen in letzter Zeit eher Arbeitnehmer freisetzten: IT, Unternehmensberatungen, Werbung, Direktvertrieb, Finanzdienstleistungen.

"Nicht so schlecht"

"Ich sehe das aber nicht schlecht", so Leitl, "alle Unternehmer beginnen als Einzelne, außer sie übernehmen einen Betrieb." Außerdem schafften die Jungunternehmen "innerhalb des ersten Jahres im Schnitt immerhin zwei bis drei Arbeitsplätze".

Nettig liefert dazu Zahlen aus seinem Bundesland: Die heuer gegründeten Unternehmen hätten in Wien zusätzlich zu den Arbeitsplätzen der Chefs 8300 neue Jobs geschaffen. Weiters sei die Quote der scheiternden Jungunternehmer im Sinken: Derzeit existieren noch 67,6 Prozent aller vor fünf Jahren in Wien gegründeten Firmen (Mitte der 90er-Jahre sei dieser Wert bei 63 Prozent gelegen). Ein weiteres Viertel hätte neue Eigentümer gefunden, der Rest sei den Weg alles Irdischen gegangen.

Steuerreform

Als "wichtigste Forderung der Wirtschaft" an eine zukünftige Bundesregierung nannte Leitl am Montag außerdem einmal mehr jene nach einer einheitlichen Betriebssteuer in Höhe von 25 Prozent auf nicht aus dem Unternehmen entnommene Gewinne, unabhängig von der Rechtsform.

"Das muss unbedingt bis 1. Jänner 2004 in Kraft sein", so Leitl weiter - also bis zum voraussichtlichen Beitrittsdatum der zehn EU-Kandidaten- länder. Diese Maßnahme wür- de erst im Fiskaljahr 2004 wirksam werden und die Budgeteinnahmen im voraussichtlich nach wie vor konjunkturell flauen Jahr 2003 noch nicht schmälern. Ein allgemeiner Investitionsfreibetrag hingegen, dessen Wiederkehr von vielen Branchen gefordert wird, "passt nicht in eine europäische Steuerlandschaft". (szem, DER STANDARD, Printausgabe 8.10.2002)

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