Österreichs Betriebe sichern sich den Osten

7. Oktober 2002, 18:55
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Heimische Unternehmen investieren in Rekordhöhe

Wien - Österreichs Unternehmen lassen sich eine gute Positionierung im östlichen Aus- land offenbar etwas kosten, denn sie haben im ersten Halbjahr 2002 deutlich mehr im Ausland investiert denn je zuvor. Die Direktinvestitionen heimischer Betriebe kletterten netto auf 3,17 Milliarden Euro - das ist im heurigen Halbjahr beinahe so viel wie im gesamten Jahr 2001, teilte die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) am Montag mit. Eingebrochen ist dagegen der Investitionszufluss aus dem Ausland: Er lag mit 640 Mio. Euro auf dem niedrigsten Stand seit 1995.

Gut die Hälfte der heimischen Auslandsinvestitionen, also 1,61 Mrd. Euro, floss in die Reformländer Mittel- und Osteuropas. Spitzenreiter waren die Tschechische Republik (670 Mio. EURO), Kroatien (280), Slowenien (170) und Ungarn (170 Mio. EURO).

Bankensektor treibende Kraft

Treibende Kraft war der Bankensektor, allen voran Erste Bank, Bank Austria Creditanstalt, RZB und Hypo Alpe-Adria, sagt Christian Mandl vom EU-Koordinationsbüro der Wirtschaftskammer (WKÖ). "Und das ist für die kleineren und mittleren Betriebe eindeutig ein Vorteil. Sie können mit ihrer Hausbank mitgehen und haben quasi Begleitung." Eine langfristige Strategie in Richtung Osterweiterung verfolgen auch OMV, Frantschach, Mayr-Melnhof, Billa, Meinl, Baumax, Siemens und die Telekom Austria. Letztere funkt in Slowenien und Kroatien, was Österreich in diesen Ländern die Poleposition unter den Großinvestoren einbrachte. Acht von zehn Investitionseuros heimischer Firmen gehen in jüngster Zeit in die Beitrittsländer, sagt Mandl. Wichtigstes Investitionsland außerhalb dieses Raumes war laut Nationalbank Deutschland, in das heimische Unternehmen 220 Mio. Euro investierten. Überaus hoch waren allerdings auch die Geldflüsse in die steuerschonenden karibischen Offshore-Zentren, in die insgesamt 800 Mio. Euro flossen. Mehr als die Hälfte davon hängt ebenfalls mit Aktivitäten in Mittel-/Osteuropa zusammen.

Wenig Geld von außen

Eingebrochen ist - trotz erfolgreicher Ansiedlungen wie Baxter - der Investitionszufluss aus dem Ausland: Er lag mit 640 Mio. Euro so niedrig wie zuletzt 1995. Die Nettoneuinvestitionen sind überhaupt zum Stillstand gekommen. Bruttoinvestitionen an Beteiligungskapital von 840 Mio. Euro stehen Desinvestitionen von 930 Mio. Euro gegenüber. Ein "dicker Fisch" darunter: der Rückkauf der des Mobilkom-Viertels von der Telecom Italia durch die Telekom Austria im Juni 2002.

Stark zu Buche schlugen auch reinvestierte Gewinne über 870 Mio. Euro, während konzerninterne Kreditbeziehungen zu einem Abzug finanzieller Mittel von 140 Mio. Euro führten. Der Löwenanteil des investierten Kapitals kam mit 1,1 Mrd. EURO aus Deutschland und aus den USA (120 Mio. EURO). (ung, DER STANDARD, Printausgabe 8.10.2002)

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