Stichwort: Programmierter Zelltod (Apoptose)

7. Oktober 2002, 12:12
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Stockholm/Frankfurt/Main/Wien - Der "programmierte Zelltod" (Apoptose) ist ein natürlicher Mechanismus zur Selbstzerstörung von Zellen. Er funktioniert bei Menschen, Tieren und Pflanzen gleichermaßen. Das genetisch angelegte Selbsttötungs-Programm ist lebensnotwendig. Nur wenn alte, kranke oder nicht mehr benötigte Zellen absterben, kann neues Leben entstehen. Die Apoptose schützt aber auch vor Krebs.

Die Apoptose beginnt schon im Mutterleib: Embryonen haben zunächst statt Hände eine Art Paddel. Damit sich die Finger ausbilden können, sterben die Zellen dazwischen ab. Beim Müttern regelt der programmierte Zelltod zum Beispiel die Rückbildung der Brust nach dem Abstillen. Ähnlich funktioniert die Rückbildung des Schwanzes bei einer Kaulquappe, die sich in einen Frosch verwandelt hat.

Apoptose ist sehr wichtig für die körpereigene Abwehr. Sie bewirkt, dass infizierte oder beschädigte Zellen Selbstmord begehen und so den Körper schützen. Zellen können dabei selbst erkennen, wenn sie nicht mehr richtig funktionieren. Eine Zelle, die abstirbt, entwickelt Wölbungen auf ihrer Oberfläche, die sich ablösen und in einen Haufen kleiner Gebilde verwandeln. Diese Partikel werden von den umliegenden Zellen aufgenommen und gleichsam verdaut.

Auch für die Entstehung von Krankheiten ist die Apoptose von entscheidender Bedeutung. Sowohl zu viel als auch zu wenig abgestorbene Zellen können Krankheiten auslösen. Bei Krebs zum Beispiel werden kranke Zellen nicht schnell genug vernichtet, bei Erblindung hingegen zu schnell. Das Wissen über die genauen Abläufe der des Zell-Selbstmordes ist daher wichtig für die Entwicklung von Arzneimitteln, die den Zelltod je nach Bedarf verhindern oder hervorrufen können.

Das Hervorrufen der Apoptose ist der wichtigste Mechanismus, über den Tumorsuppressor-Gene die Entstehung von Krebszellen verhindern. Sie lösen eine Kaskade von Abläufen aus, welche zum Abschalten der Stoffwechselvorgänge in den betroffenen Zellen und zu deren Auflösung führen. Funktionieren diese Mechanismen nicht, kann das Wachstum bösartiger Zellen außer Kontrolle geraten.

Auf der anderen Seite bestehen sowohl die Strahlenbehandlung bei Krebs als auch die Chemotherapie im Grunde im Setzen von Reizen, welche die Apoptose in den Krebszellen hervorrufen soll. Die Erbsubstanz der Zellen wird so stark geschädigt, dass Reparaturmechanismen nicht mehr greifen und der programmierte Zelltod eingeleitet wird. (APA/dpa)

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