Enron-Ausschuss: SEC heftig kritisiert

7. Oktober 2002, 11:12
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Auch Analysten und Wirtschaftsprüfer unter Beschuss

Die Pleite des US-Energieriesen Enron beschäftigt weiterhin die Justiz. Ein Untersuchungsausschuss des US-Senats geht nun auch mit der US-Börsenaufsicht SEC hart ins Gericht. Diese habe im Fall Enron eine Vielzahl von Fehlern gemacht, die schließlich für den Kollaps von Enron mitverantwortlich waren. Wie die BBC heute, Montag, berichtet, werden in dem ersten Zwischenbericht des Ausschusses auch Analysten, Ratingagenturen und Wirtschaftsprüfer heftig kritisiert, welche die Bilanzfälschungen nicht erkannt haben. Auch US-Präsident George W. Bush und dessen Verknüpfungen mit Enron werden weiterhin untersucht.

Zitate

Der 127 Seiten lange Bericht soll noch im Laufe des Tages veröffentlicht werden. "Diese Fehler stellen das gesamte System, auf dem die Finanz- und Börsenregulierung basiert, in Frage", zitiert BBC aus dem Bericht. Konkret wird der SEC vorgeworfen, seit 1998 keine einzige Enron-Bilanz genauer untersucht zu haben. Weiters habe die Börsenaufsicht, eine von ihr genehmigte Sonderregelung für die Enron-Buchhalter nicht weiter konkretisiert und überwacht. "Die SEC hätte die Möglichkeit gehabt, einige der problematischen Bilanzierungspraktiken frühzeitig zu erkennen", heißt es im Bericht. Gerade diese Ausnahmeregelungen wurden von Enron missbraucht und wären zu einem Großteil mitverantwortlich für die Praktiken, die schließlich zum Ende des Energieriesen geführt haben.

Praxis

Neben der SEC lässt der Senats-Bericht auch an der gängigen Walls-Street-Selbstüberwachung durch Analysten und Ratingagenturen kein gutes Haar. Auch diese hätten die Bilanzfälschungen bei Enron nicht erkannt und zu stärkeren Kontrollen aufgerufen. Viele Analysten hätten Enron noch immer auf "kaufen" eingestuft, obwohl die Talfahrt der Aktie bereits erkennbar war. In diesem Fall werden vor allem Überschneidungen und Interessenskonflikte bezüglich der Doppelrolle einiger Unternehmen als Investmentbank und Broker kritisiert. Eine Mitschuld am Enron-Kollaps wird in dem Bericht auch den Ratingagenturen wie Standard & Poor’s oder Moody’s zugeschrieben. Auch diese hätten versagt, die Probleme bei Enron rechtzeitig zu identifizieren. Schließlich wird auch die Rolle von Präsident George W. Bush derzeit näher beleuchtet. Der Ausschuss habe aus dem Weißen Haus Dokumente im Ausmaß von 2.500 Seiten erhalten, die nun geprüft werden. (pte)

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