"Diskreter" Dialog zur Aufnahme in die Männerrunde

7. Oktober 2002, 09:20
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Geld, Macht und Einfluss bestimmen die Mitgliedschaft im Augusta National Golf Club

Washington - Im Streit um die Nicht-Zulassung von Frauen im exklusiven Augusta National Golf Club hat nun erstmals ein Clubmitglied ein mögliches Einlenken angedeutet. Der Vorsitzende des weltgrößten Finanzkonzerns Citigroup, Sanford Weill, hat gegenüber dem Nationalen Rat der US-Frauenverbände (NWCO) seine Bereitschaft erklärt sich für die Aufnahme von Frauen in den bisher als Männerrunde geführten Golfclub einzusetzen. Allerdings sollten die Frauenverbände den "konstruktiven Dialog" künftig auf "diskrete Weise" führen, ersuchte Weill laut einem Bericht der "New York Times".

Mit der Veröffentlichung der bis dahin geheimen Mitgliedsliste in der Tageszeitung "USA Today" vor rund einer Woche war der Druck auf den Club gestiegen, seine bisherige Politik Frauen auszuschließen zu ändern. Die 300 Namen umfassende Mitgliedsliste lese sich wie das "Who is Who" aus Wirtschaft und Politik und zeige, dass die Mitgliedschaft nicht allzu viel mit Sport sondern mehr mit Geld, Macht und Einfluss zu tun habe, wurde in US-Medien sarkastisch kommentiert. Das Durchschnittsalter im "Old Boys Club" liegt bei 72 Jahren, das älteste Mitglied ist 96 Jahre alt.

Angefragt

Die Vorsitzende des Nationalen Rats der US-Frauenverbände, Martha Burk, hatte an sechs ausgewählte Club-Mitglieder geschrieben und gefragt, wie sie ihre Mitgliedschaft in einem Männerclub mit der öffentlichen Anti-Diskriminierungspolitik ihres jeweiligen Unternehmens oder ihrer Politik vereinbaren können. Adressaten der Briefe waren der republikanische New Yorker Abgeordnete Amo Houghton, der Vorsitzende des Nationalen Olympischen Komitees der USA, Lloyd Ward, der ehemalige demokratische Senator und jetzige Vorstand von Coca Cola, Sam Nunn, Motorola-Chef Christopher Galvin, JP Morgan Chase-Chef William Harrison sowie Citigroup-Chef Sanford Weill.

Clubpräsident William Johnson hatte das Anliegen der Frauenverbände bisher scharf zurückgewiesen. Der Ausschluss von Frauen von der Mitgliedschaft sei eine "private Angelegenheit", betonte er. Jeden Vergleich von Diskriminierung auf Grund des Geschlechts mit rassistischer Diskriminierung lehnte er entschieden ab. Der Club hatte erst 1990 erstmals einen Schwarzen aufgenommen. (APA)

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