Corporate Governance, Frank Stronach und die Hoffnung auf ein Zurück

7. Oktober 2002, 15:10
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Ohne gesetzliches Regulativ ist weder im Sport noch in der Unternehmenswelt eine Rückkehr zur Vernunft möglich - Gastkommentar von Michael Margules

Im professionellen Spitzensport geht schon lange nichts mehr ohne sehr viel Geld. Angesichts der Gehälter und der Erfolgsprämien, die den Akteuren bezahlt werden, verwundert das nicht. Kein Team kann mehr unterhalten, ohne daß ein oder mehrere finanzkräftige Unternehmen respektive Unternehmer dahinter stehen. Nicht nur zwischen der explosionsartigen Entwicklung von Sponsorengeldern und Entlohnungen im Sport und den Gehältern und Optionen der internationalen Top-Manager bestehen Parallelen: Im Sport wie in der Unternehmenswelt ist offensichtlich ein Zurück zur Vernunft nicht mehr möglich, zumindest nicht ohne Zutun von außen, sprich Regulativ durch den Gesetzgeber.

Corporate Governance (CG)

Ein englisches Wort hat in letzter Zeit, hervorgerufen durch aktuelle Unternehmenskrisen und Firmenzusammenbrüche, Karriere gemacht, das man bis vor kurzem trotz aller deutschsprachigen Vorliebe für Anglizismen nur selten hörte, nämlich das Wort „governance“, ein bislang in vielen Wörterbüchern vergebens zu suchendes Wort. Am einfachsten und treffendsten erscheint folgende Definition: „Corporate Governance ist das System, durch das Unternehmen geführt und kontrolliert werden“. Per jüngster Veröffentlichung hat analog zu internationalen Vorbildern auch der „Österreichische Arbeitskreis für Corporate Governance“ gemäß Eigendefinition mit dem Österreichischen Corporate Governance Kodex ein „internationalen Standards entsprechendes Regelwerk für die verantwortungsvolle Führung und Leitung von Unternehmen in Österreich geschaffen.“ Der Kodex soll Investoren einen reifen (heimischen) Kapitalmarkt mit lauteren Führungsgremien signalisieren und die Unternehmen selbst zum Abschied von alten, österreichischen Strukturen in ihren Aufsichtsräten und im Umgang mit Privatinvestoren im Hinblick auf deren zukünftigen Besserstellung anleiten.

Franz Strohsack

Etwas verspätet, aber ebenso analog zu internationalen Vorbildern, die bis hin nach Amerika gereichen, hat auch im österreichischen Fußball „the sky is the limit“ in Person des Frank Stronach Einzug gehalten. Ohne Rücksicht auf Vernunft, Maß und Ziel werden bei der Wiener Austria selbst erfolgreiche Trainer und Spieler als Marionetten be- und gehandelt, mit für hiesige Verhältnisse aberwitzigen, zu den Einnahmen aus dem Spielbetrieb vollkommen konträr verlaufenen Gehaltszahlungen. Unter diversen inhaltsleeren Mottos à la „Der Erfolg heiligt die Mittel“, „Ich bezahle, also schaffe ich auch an“ usw. werden dabei Millionen von Euro in die zweifelsohne wohlhabende Hand genommen, Weit- und Rücksicht oder gar Bedacht auf innerbetriebliche wie auch österreichweite Strukturen oder (Sport)Werte bleiben dabei ebenso auf der Strecke wie in den 90er Jahren oder wie bis zuletzt an den Aktienmärkten.

Von Hoffnungschimmer...

Die derzeitige Diskussion der Finanzskandale und möglicher Konsequenzen bezüglich Unternehmensbewertungen, Aufsichtsrats- und Management-Überwachung sowie Verbesserung der Transparenz für Aktionäre in Form von neu herausgegebenen Corporate Governance Richtlinien ist wertvoll. Dies sollte jedoch nicht zu der Meinung (ver)leiten, daß vermehrte Regulierungen die Krisen verhindern könnten. Management-Funktionen sollten von fähigen Menschen besetzt werden, die außer der fachlichen Eignung auch über eine ausreichende Charakterbildung verfügen. Die Auswahl einer geeigneten, unabhängigen und integeren Unternehmensführung, die das Vertrauen verdient, ist sicherlich der wesentliche Faktor für die Vermeidung von Mißbrauch. Gutgemeinte, staatliche Versuche der Regulierung aber führt möglicherweise zur verstärkten Formalisierung und weg von der geforderten Eigenverantwortung. Analysten, Banken und Anleger müssen zudem in Zukunft kritischer mit Zielsetzungen und Versprechungen der Unternehmen umgehen. Sie haben gemeinsam wie einzeln das Recht auf Plausibilität und Fragen der Risikovorsorge in ihre Beurteilung einzubeziehen, wenn es darum geht, nachhaltige Unternehmensentwicklung einzufordern.

... und vergeblichen Hoffnungen

Der österreichische Fußball weist nicht nur heute, mit einem Liga- und gleichzeitig Klubpräsidenten Stronach, sondern auch schon in seinen Vorgängerzeiten – Fußballpräsident = Hauptsponsor = Beppo Mauhart – große Ähnlichkeiten mit genau jener aktuell an den internationalen Finanzplätzen so stark kritisierten Personalunion auf, wo im Gegensatz zu den hiesigen Gepflogenheiten bei Aktiengesellschaften der hauptverantwortliche Manager oder Chief Executive Officer (CEO) und der Vorsitzende des Kontrollorgans (Verwaltungsrat) in Personalunion auftreten. Doch anders als an den Börsen ist im österreichischen Fußball(un)wesen weit und breit kein Regulativ in Sicht, die dem munteren Treiben Einhalt gebieten oder gar ein Ende bereiten würden.

Nachlese

--> Was haben Hans Krankl und die Börsen gemein?
--> Japan ist einen Börsenblick wert
--> Japan ist einen Börsenblick wert
--> Wie sicher sind Versicherungsaktien?
--> Droht ein neuer Ölpreisschock?
--> Schieß’ nicht auf den Analysten!
--> Shares kann go down!
--> Out: Börsengurus ! In: Börsengurus !
--> Über weinpredigende Contrarians und wasserkochende Institutionelle
--> US-Zinsen, bitte steigen!
--> Buy high, sell low......!
--> Wieviel sind 3.500 Milliarden Dollar?
--> Quo Vadis Börse?
--> Wieder Ordnung an der Fußballbörse
--> Auf Resignation naht die Wende
--> Jede schlechte Nachricht hat ihr Gutes
--> Hört die Deflations-Signale

Michael Margules lebt als freier Journalist in Wien. Sein Gastkommentar "Börsenblick" erscheint wöchentlich - jeden Montag - auf derStandard.at. Anlageempfehlungen stellen die persönliche Meinung des Autors dar.
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