Callcenter wollen Änderung des Telekomgesetzes

6. Oktober 2002, 19:02
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Unternehmen sollen ihre Kunden unaufgefordert anrufen können

Vehement für eine Änderung des Telekomgesetzes sprechen sich Vertreter österreichischer Callcenter und Direct-Marketing-Firmen aus. Sie verlangen eine Reform des Paragrafen, der es derzeit verbietet, dass Unternehmen ihre Kunden unaufgefordert über Produkte informieren können. "Zwischen 1997 und 1999 hatten wir so viele Anrufe, dass wir gar nicht auf die Idee kamen, uns mit Outgoing zu beschäftigen", sagt der Geschäftsführer von CCC, Thomas Kloibhofer, gegenüber dem Vorwurf, die Branche hätte doch schon weit früher gegen die Bestimmungen über die "unerbetene Kontaktaufnahme" zu Felde ziehen können. Kloibhofer: "Im Jahr 2000 gab es einen Bruch, und wir fragten uns, was wir mit der freien Zeit machen sollen."

Ende des Booms

Der Boom in der Callcenterbranche ist Vergangenheit. Die Unternehmen suchen nach neuen Aufgabengebieten und wollen vom Callcenter zum Profitcenter, heißt es. Von einer rückläufigen Auftragslage spricht auch der Präsident des Direct-Marketing-Verbandes Österreich (DMVÖ), Jürgen Menedetter. Von derzeit 150 Unternehmen würden künftig nur mehr zwischen vier und sechs übrig bleiben, schätzt Menedetter. Er geht aber davon aus, dass sich die Branche qualitativ weiterentwickeln wird.

Der Einstieg der Callcenter in die Produktwerbung per Telefon ist jedoch rechtlich weitgehend versperrt. Kloibhofer bezeichnet die gesetzlichen Bestimmungen jedoch als "mittlerweile überzogen." Dass das so genannte "Cold Calling", also die unerwünschte Geschäftsanbahnung per Telefon, gegenüber Privatkunden verboten sei, bezeichnet er als gut.

Anders stelle sich die Situation bei Geschäftspartnern dar, die andere Abwehrmöglichkeiten und Fachkenntnisse hätten. Bei Gesetzesverstößen wäre der Betroffene vor 20 Jahren noch selbst vor Gericht gezogen, jetzt tue das der Mitbewerb. Und auch Hansjörg Tengg, Geschäftsführer von smart technologies, meinte, es werde "das Kind mit dem Bade ausgeschüttet, wenn man nicht seine eigenen Kunden anrufen darf". (APA)

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