Dividendenstrategie als Schlüssel zum Erfolg

10. Oktober 2002, 22:30
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Trotz der nun schon seit Frühjahr 2000 anhaltenden Krise an den internationalen Börsen sollten Anleger Aktien noch nicht ganz abschreiben

Die Krise an den internationalen Börsen geht schon bald ins dritte Jahr, und eine dauerhafte Trendwende scheint noch nicht in Sicht. Immer mehr Anleger kehren Aktien den Rücken zu und schichten ihr Geld in Geldmarktfonds, Sparbücher oder den Immobilienbereich um.

Doch trotz aller Unsicherheiten an den Weltmärkten gibt es eine Möglichkeit, auch mit Aktien gutes Geld zu verdienen - und noch dazu relativ sicher: Mit der Dividendenstrategie kaufen Sie ausschließlich Werte, die gute Dividenden abwerfen - und haben dazu noch die Chance einer Wertsteigerung des eingesetzten Kapitals, wenn die Aktie steigt. Denn Titel mit hoher Dividendenrendite versprechen auch steigende Kurse, weil die Aktie ganz offensichtlich unterbewertet ist.

Einfache Strategie

Die Strategie ist einfach. Aus einem Index wählt man die zehn Aktien mit der höchsten Dividendenrendite, also dem besten Verhältnis von Dividende zum Kurs, aus. Nach einem Jahr, zu einem bestimmten Stichtag, fallen dann jene Aktien heraus, die in den vergangenen zwölf Monaten nicht mehr unter den Top Ten bei den Ausschüttungen waren, und werden gegen die neuen Spitzenreiter ausgetauscht.

Wichtig dabei ist allerdings, auf die richtigen Pferde zu setzen: Wer nämlich glaubte, bei den DAX-Dividendenkönigen Daimler und Deutsche Telekom seine Schäfchen ins Trockene gebracht zu haben, wurde herb enttäuscht. Statt 2,35 Euro gab es 2002 nur noch einen Euro je Daimler-Aktie. Grund dafür waren die hohen Verluste bei Chrysler. Die Großzügigkeit der Deutschen Telekom fand angesichts von 67 Mrd. Euro Schulden ein jähes Ende. Der Telekommunikationsriese kürzte die Dividende um satte 40 Prozent.

Verborgene Schätze

Daher ist ein Blick auf die Fundamentalanalyse und das wirtschaftliche Umfeld unerlässlich. Wo aber findet man die verborgenen Schätze?

In Österreich wurden die Anleger nie wirklich mit fetten Dividenden verwöhnt - trotzdem gibt es einige Werte wie Flughafen Wien, Böhler-Uddeholm, Voestalpine oder Wienerberger, die deutlich mehr als das Sparbuch einbringen.

Zweite Reihe

Oft lohnt bei der Suche nach den sicheren Häfen ein Blick in die zweite Reihe, vor allem in Deutschland: Unternehmen wie Gildemeister oder Sixt bieten über fünf Prozent Dividendenrendite, während derzeit kein Dax-Unternehmen mit mehr als vier Prozent aufwartet.

Auch in den USA, wo man immer schon gerne mit knusprigen Gewinnen lockte, gibt es attraktive Titel: Philip Morris mit gut vier Prozent Dividendenrendite oder Eastman Kodak mit über fünf Prozent.

Dauerhaftigkeit

Bei der Dividendenstrategie sollten Sie auch die Dauerhaftigkeit der Erträge beachten: Manche Firmen schütten Dividenden aus, die jedes Jahr stark variieren. Wenn Sie ruhig schlafen wollen, greifen Sie zu einer Aktie, die sich in den letzten Jahren gleichmäßig entwickelt hat und die sich in einem ruhigen Fahrwasser bewegt.

Bei der Fundamentalanalyse sollten Sie die Dividendenzahlungen auch immer in Beziehung zu den anderen Daten setzen, um unangenehme Überraschungen zu vermeiden. Manchmal zahlen Firmen, die in wirtschaftlichen Schwierigkeiten stecken, hohe Dividenden aus. Ein typisches Beispiel ist Eastman Kodak in den USA: Wer hier einsteigt, sollte nicht vergessen, dass Kodak unter der "Digitalwelle" und dem Importdruck auf dem Filmsektor (Fuji!) stark zu leiden hat.

Gefragt sind also Aktien, die neben der Rendite eine relativ hohe Sicherheit bieten. In den USA gilt etwa Philipp Morris als recht stabil, auch wenn der Konzern zurzeit den Absatz einiger Zigarettenmarken durch Preisnachlässe und intensive Promotion ankurbeln muss. Weitere positive Beispiele in Europa: Ölaktien wie Eni, Royal Dutch und OMV. (Reinhard Kremer, DER STANDARD, Printausgabe 7.10.2002)

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    Trotz Börsenkrise lässt sich auch mit Aktien gutes Geld verdienen.

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