Milliardengeschäft mit Unternehmensklagen

6. Oktober 2002, 19:36
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Vergangene Woche wurde der Tabakkonzern Philip Morris zu einer Rekordstrafe verdonnert - Auch andere Branchen sind mit Forderungen konfrontiert

New York - Produkthaftungsklagen gegen Großunternehmen sind in den Vereinigten Staaten längst zu einem Milliardengeschäft geworden. Ob Zigarettenhersteller, Pharmaunternehmen oder Autofirmen - die Unternehmen werden verstärkt mit immensen Forderungen konfrontiert.

Zum Wochenende traf es den weltgrößten Zigarettenhersteller Philip Morris, der von einem Geschworenengericht in Los Angeles zur Zahlung einer "Strafentschädigung" in Höhe von 28 Mrd. Dollar verurteilt wurde. Das Geld soll an die 64 Jahre alte Raucherin Betty Bullock gezahlt werden, die unter Lungenkrebs leidet. Es ist das bisher kostspieligste US-Urteil zugunsten einer Einzelperson. Phillip Morris will rechtlich weiter dagegen angehen.

Sammelklagen

Mit so genannten Sammelklagen wird in den Vereinigten Staaten das größte Geschäft gemacht. Dabei werden gleich gelagerte Schadenersatzfälle von Tausenden oder gar Millionen Geschädigten zusammengefasst. Eine Jury in Miami hatte den Gesundheitsbehörden und anderen öffentlichen Stellen in Florida vor einiger Zeit in einer Rauchersammelklage 144,8 Mrd. Dollar an Strafentschädigungen zugesprochen.

Strafentschädigungen sind eine Eigenart des US-Rechts. Damit können Geschworenengerichte Unternehmen viel höher bestrafen, als dies wegen des tatsächlichen Schadens gerechtfertigt wäre. Das soll Firmen von künftigem Fehlverhalten abhalten.

Die Zigarettenkonzerne hatten sich auf einen Vergleich mit 41 US-Bundesländern in Höhe von 246 Mrd. Dollar geeinigt, um eine weitere ausufernde Klagelawine zu vermeiden. Doch scheint ihre Rechnung nicht aufzugehen, wie das jüngste Urteil in Kalifornien zeigt.

Asbest-Klagen

Auch die Klagen von Hunderttausenden Asbest-Geschädigten könnten Unternehmen - darunter den heimischen Feuerfestkonzern RHI - insgesamt mehr als 200 Mrd. Dollar kosten. Bisher haben sie 20 Mrd. Dollar Schadenersatz gezahlt. Seit Anfang 2000 haben 60 große US-Unternehmen wegen Asbestklagen Gläubigerschutz beantragt, um wenigstens unter Schutz des Konkursrichters ihre Geschäfte fortführen zu können.

Bremsen & Brüste

Inzwischen sind auch Tausende von Schadenersatzansprüche gegen DaimlerChrysler, General Motors und Ford wegen angeblicher Gesundheitsschäden durch asbesthaltige Bremsbeläge eingereicht worden. Der deutsche Versicherungskonzern Allianz hatte kürzlich Rückstellungen für Umwelt- und Asbestrisiken bei seiner US-Versicherungstochter Fireman's Fund von 760 Millionen US-Dollar auf 1,5 Mrd. Dollar erhöht.

Aber auch die Pharmaindustrie hat mit Klagen zu kämpfen: Für schadhafte Brustimplantate soll das Unternehmen Dow Corning 2,1 Mrd. Dollar zahlen. Die Pharmafirma American Home Products hat im Zusammenhang mit dem gefährlichen Abspeckmittel Fen-Phen einem Milliardenvergleich zugestimmt. (DER STANDARD, Printausgabe 7.10.2002)

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    Der Tabakkonzern wurde am vergangen Freitag zu einer "Strafentschädigung" von 28,3 Milliarden Dollar verurteilt. Mit Unternehmensklagen wird in den USA das große Geschäft gemacht.

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