Betrugsverdacht trifft "Wirtschaftsblatt"-Aktionär

6. Oktober 2002, 18:50
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Voruntersuchungen und Großrazzia bei der Investmentgruppe Imperial

Linz/Wien - "Persönlich" bedauert Michael Geringer die Vorfälle um die Imperial Kapitalbeteiligungsgesellschaft. Schließlich "schätzt" er deren Chef Faramarz Ettehadieh. Und natürlich "tut es mir Leid, wenn ein Aktionär Probleme hat", sagte Geringer im Gespräch mit dem STANDARD.

Die "Probleme" der Imperial wie berichtet: Gegen vier Verantwortliche der Linzer Firmengruppe sind laut Landesgericht gerichtliche Voruntersuchungen eingeleitet worden. Es gehe um den Verdacht des gewerbsmäßigen schweren Betrugs und der Untreue. Laut Gericht könnte sich der Schaden in einer Größenordnung von 80 Millionen Euro bewegen. Das Unternehmen wies alle Vorwürfe in einer schriftlichen Erklärung zurück.

"Die Imperial ist nicht der zweitgrößte Aktionär der ET Multimedia", stellt Geringer klar: Das größte Stück hält die Investmentgesellschaft UIAG, das zweitgrößte die Deutsche Beteiligungs AG, die unter anderem der Deutschen Bank und Versicherungen wie Gerling gehört. Aber immerhin 21,6 Prozent stehen im Besitz der Linzer. Der ET Multimedia wiederum gehört die Hälfte am Wirtschaftsblatt.

Wichtige Rolle

Bei der Gründung dieser Tageszeitung spielte Ettehadieh eine wichtige Rolle: Zum guten Teil mit Verlustbeteiligungsmodellen wollte er den Start des Blattes finanzieren wie schon zuvor mehrere Medienprojekte der Verlagsgruppe um Chris Radda und Andi Dressler. Tatsächlich realisiert wurde es allerdings erst, als auch der schwedische Medienriese Bonnier einstieg.

Mehrfach hat die ET Multimedia und vor allem ihr größter Aktionär UIAG in den vergangenen Monaten erklärt, sie wolle ihre 50 Prozent am Wirtschaftsblatt erhöhen. Dass das an Ausstiegsplänen der Schweden liege, wird regelmäßig dementiert. So auch Geringer: "Wir würden immer wieder gerne aufstocken. Aber uns fehlen auf der anderen Seite die Verkaufswilligen."

TV-Beteiligung

An diesen Ambitionen änderten auch die Turbulenzen bei der Imperial nichts, sagt der Manager der ET Multimedia: "Wenn der Süddeutsche Verlag Probleme hat, hat ja auch DER STANDARD nicht automatisch welche." Die Münchner Verlagsgruppe hält 49 Prozent am STANDARD.

Neben ihrer Beteiligung am Wirtschaftsblatt gehören der ET Multimedia zahlreiche Spezialzeitschriften und Titel wie Wiener, Wienerin, Skip und City. Sie hält zudem 90 Prozent am privaten Jugendsender gotv, der am 1. Oktober in den Kabelnetzen von Wien und Niederösterreich on air ging. Auch um die Lizenz für Wiener Lokal-TV hat sie sich - freilich erfolglos - beworben. (Harald Fidler, DER STANDARD, Printausgabe 7.10.2002)

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