Gewerbe fordert nun doppelten Freibetrag

6. Oktober 2002, 18:39
2 Postings

Klein- und Mittelbetriebe wollen mit schnell wirksamen Steuerhilfen Konjunkturflaute überstehen

Wien - "Um Betriebsübergaben sinnvoll zu erleichtern, müsste der Steuerfreibetrag auf 800.000 EURO erhöht werden", fordert nun Wirtschaftsvertreter Wilfried Haas. Der Chef der Wiener Gewerbe- und Handwerksbetriebe reagiert mit dieser Zahl im Gespräch mit dem STANDARD nun als Erster konkret auf einen Plan von Wirtschaftsminister Martin Bartenstein. Der hat eine Erhöhung des derzeitigen Freibetrages von 400.000 EURO zwar angekündigt, sich aber sonst nicht weiter festgelegt.

Haas begründet seine Forderung damit, dass eine Verdoppelung der Steuerfreiheit - mit der die Diskriminierung von betrieblichem Risikokapital gegenüber Geldvermögen beseitigt würde - die finanzielle Belastung bei Firmenweitergaben kompensieren könnte. Ein Beispiel: hinaufschnellende Mieten, die beim Wechsel des Firmeninhabers meist schlagend werden. Er fordert außerdem, dass bei Übergaben auch über eine Senkung des Dienstgeberanteils zur Sozialversicherung für über 45-jährige Mitarbeiter, "also für das Team, das mit dem Chef alt geworden ist", nachgedacht werden muss. Unterm Strich sollte für den Neustarter "eine Lohnnebenkostensenkung von sieben Prozent herauskommen".

Zögern

Wie zögernd die EU-Mitgliedsländer die Schaffung besserer Rahmenbedingungen für Unternnehmensübertragungen generell angehen, zeigt eine aktuelle Erhebung der EU-Kommission. Von den bereits vor sechs Jahren dringend empfohlenen 21 steuerlichen und rechtlichen Maßnahmen wurde bisher nicht einmal die Hälfte umgesetzt. Und dies, obwohl in der EU in den nächsten zehn Jahren jeder dritte Betrieb (610.000) einen Nachfolger suchen wird.

In Österreich werden 56.000 Firmen (25 Prozent aller Gewerbebetriebe) und 440.000 Arbeitsplätzen betroffen sein. Allein in Wien stellt sich die Nachfolgerfrage bis 2010 für rund 31 Prozent der Betriebe (13.200). Wie die jüngste Studie des Instituts für Gewerbe und Handelsforschung (IfGH) aufzeigt, sind vor allem Handel, Transport und Verkehr überdurchschnittlich "veraltet".

Übernehmer seien jedenfalls, so IfGH-Chef Walter Bornett, weit erfolgreicher als Neustarter: "Während in Österreich jeder vierte Gründer scheitert, liegt die Drop-out-Rate bei den Betriebsübernahmen bei 18 Prozent." Freilich sind derzeit auch 14 Prozent der potenziellen Übergabekandidaten so verschuldet, dass sie als nicht überlebensfähig gelten. Firmenkapos sollten sich deshalb nicht erst fünf vor zwölf, sondern "bereits zehn Jahre, bevor man die Firma weitergeben will, Ertragskraft und Eigenmittelausstattung genau anschauen", rät Bornett. (Monika Bachhofer, DER STANDARD, Printausgabe 7.10.2002)

Unternehmer, die einen Betrieb weiterführen, sind weit erfolgreicher als Neustarter. Mit diesem aktuellen Studienergebnis im Rücken fordern Gewerbevertreter nun bessere Rahmenbedingungen für Betriebsübergaben, konkret: 800.000 [*] Steuerfreibetrag.
Share if you care.