Überraschung in Salzburg

6. Oktober 2002, 20:13
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Bei den Grünen setzte sich Basiskandidatin durch

Salzburg/Klagenfurt/St. Pölten/ Graz - Sieben Wochen vor den Nationalratswahlen stellen die Parteien ihre Landeslisten fertig. Die steirische FP nominierte die stellvertretende Bundesparteiobfrau Magda Bleckmann als Spitzenkandidatin. Auf Platz zwei folgt Staatssekretärin Mares Rossmann. Bei den Grünen tagten am Wochenende gleich drei Landesversammlungen.

Während es in Niederösterreich mit den Abgeordneten Madeleine Petrovic und Dieter Brosz auf Platz eins und zwei ebenso wenig zu einer Überraschung kam wie in Kärnten, wo der AK-Budgetexperte Bruno Rossmann (50) mit deutlicher Mehrheit zum Spitzenkandidat gewählt wurde, wartete die grüne "Basis" in Salzburg mit einer unerwarteten Entscheidung auf: Hier setzte sich die Bäuerin und Sozialarbeiterin Heidi Rest-Hinterseer durch.

Die 43-Jährige hat gegen den Klubchef der Bürgerliste im Salzburger Gemeinderat und Wunschkandidaten der Bundespartei, Helmut Hüttinger, gewonnen. Exlandeschef Christian Burtscher schied im ersten Wahlgang aus. Mit der Wahl der Gasteinerin als Listenerste dokumentierten die Basisfunktionäre Unberechenbarkeit, und bestätigten, dass man als Stadt-Grüner in der Salzburger Landespartei wenig Chancen hat. In den vergangenen Jahren hat kaum je ein Vertreter der Stadt-Bürgerliste im Land reüssiert.

Das politische Phänomen, dass die Landeshauptstadt Salzburg nicht als Teil des Landes gesehen wird, lässt sich bei anderen Parteien ebenfalls beobachten. Bei den Salzburger Grünen ist dies aber besonders schwer verständlich: Die Bürgerliste-Stadt ist österreichweit die erfolgreichste Grüngruppe in einer größeren Kommune. Sie bestimmt seit langem die Geschicke der Stadt als Regierungsfraktion mit. Dass die bisher kaum in Erscheinung getretene Rest-Hinterseer den Politprofi Hüttinger ausgestochen hat, kann als Zeichen für die Siegessicherheit der Grünen gewertet werden. Im Gegensatz zu Kärnten, wo das Grundmandat keineswegs fix ist, rechnen die Grünen in Salzburg damit, das 1999 knapp verfehlte Grundmandat jedenfalls zu erreichen. Auch aus dieser Gewissheit heraus ist der Verzicht auf Hüttinger als Angebot an bürgerlich-urbane Wähler zu erklären. (DER STANDARD, Printausgabe, 7.10.2002)

von Thomas Neuhold
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