Siemens soll dem Irak waffentaugliche Elektronik geliefert haben

6. Oktober 2002, 18:35
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Missbrauch von medizinischen Spezialschaltern befürchtet

Mainz - Der Elektronikkonzern Siemens hat nach Informationen der ARD Schalter in den Irak geliefert, die unter Umständen als Zünder für Atombomben verwendet werden können. Wie das Magazin "Report Mainz" des Südwestrundfunks (SWR) am Sonntag im Voraus berichtete, handelte es sich dabei um Spezialschalter, die in Geräten zum Zertrümmern von Nierensteinen eingebaut seien.

Siemens erklärte laut SWR, ein Missbrauch der Schalter sei ausgeschlossen, weil eine irakische Firma im Auftrag des Münchner Konzerns die Geräte regelmäßig warte und kontrolliere. Der US-Rüstungskontrollexperte Gary Milhollin sagte dagegen dem Sender, die Firma habe keine Möglichkeit, einen Missbrauch zu verhindern. Solange Siemens nicht jemanden neben der Maschine stehen habe, wisse niemand, ob die Schalter herausgenommen wurden, um mit ihnen Atomwaffen zu bauen, und sie danach wieder eingebaut wurden. Milhollin hat den Fall laut SWR bereits vor dem US-Kongress aufgedeckt.

Dem Bericht zufolge lieferte Siemens zwischen Dezember 1998 und Juni 1999 mehrere Schalter an die irakische Regierung. Der US-Nuklearphysiker Chaim Braun erklärte laut SWR, dass es sich um Schlüsselkomponenten für den Bau einer Atombombe handle. Dagegen zitierte der Sender einen Sprecher den Zollkriminalamts Köln mit den Worten, dass der Export als Bauteil von medizinischen Geräten genehmigt worden sei. Auch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle sowie der Sanktionsausschuss der Vereinten Nationen hätten die Sendung genehmigt. Im Jahr 2001 seien jedoch weitere beantragte Lieferungen gestoppt worden. (APA/AP)

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