USA wollen Dialog mit Nordkorea trotz Bedenken fortsetzen

6. Oktober 2002, 16:28
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US-Sondergesandter Kelly bewertete diplomatische Reise als "nützlich"

Seoul/Tokio - Die USA wollen den Dialog mit dem kommunistischen Nordkorea trotz erheblicher Bedenken wegen der Rüstungspolitik des Landes fortsetzen. Zwar gebe es derzeit keine Entscheidung über ein Folgetreffen, sagte der US-Sondergesandte James Kelly am Samstag in Seoul nach seiner Rückkehr von einem dreitägigen Besuch in Pjöngjang. Doch blieben die USA "verpflichtet, unsere Besorgnisse durch Dialog anzusprechen". Der Abteilungsleiter für Asien-Fragen im US-Außenministerium war der ranghöchste Diplomat Washingtons in Nordkorea seit zwei Jahren.

Kelly unterreichtete dann am Sonntag südkoreanische und japanische Regierungsvertreter über seine Gespräche in Nordkorea. In Tokio traf der für Ostasien und den pazifischen Raum zuständige Staatssekretär im US-Außenministerium mit dem japanischen Außenminister Yoriko Kawaguchi zusammen.

Seine Reise nach Pjöngjang habe dazu gedient, "über eine ganze Reihe unserer Besorgnisse zu sprechen", sagte Kelly. Dazu gehörten Nordkoreas Massenvernichtungswaffen, Raketen-Entwicklungsprogramm und Raketenexporte sowie dessen "bedrohliche" konventionelle Streitkräfte und die "schlimme" Menschenrechtssituation. Die USA hatten Nordkorea, das US-Präsident George W. Bush neben dem Irak und Iran zu einer "Achse des Bösen" gezählt hat, wiederholt vorgeworfen, Massenvernichtungswaffen herzustellen.

Washington werde seine Gespräche in Pjöngjang erst analysieren und dann über den nächsten Schritt entscheiden, sagte Kelly. Er beschrieb seine Unterredungen mit der nordkoreanischen Führung als "nützlich". Er unterrichtete in Seoul zunächst den südkoreanischen Außenminister Choi Sung Hong über seine Gespräche. Vor seinem Rückflug in die USA informierte er am Sonntag in Tokio auch die japanische Regierung.

In Pjöngjang war Kelly unter anderem mit der Nummer Zwei des kommunistischen Staates, dem Präsidiumsvorsitzenden der Obersten Volksversammlung (Parlament), Kim Yong Nam, und Vizeaußenminister Kang Sok Ju zusammengekommen. Kim ist in dieser Position protokollarisch das Staatsoberhaupt. In Seoul wurde der Besuch Kellys positiv aufgenommen.

"Ich habe außerdem erklärt, dass umfassende Anstrengungen durch Nordkorea zur Lösung unserer Besorgnisse auch zu einer Verbesserung der US-nordkoreanischen Beziehungen führen würden", sagte Kelly, ohne weitere Einzelheiten seiner Gespräche preiszugeben. Präsident Bush hatte kurz nach seinem Amtsantritt im Jänner 2001 den von seinem Amtsvorgänger Bill Clinton verfolgten Dialog mit Nordkorea zunächst eingefroren. Die frühere US-Außenministerin Madeleine Albright war im Oktober 2000 kurz vor Beendigung der Amtszeit von Clinton in Pjöngjang. (APA/dpa/AP)

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