Die im Dunkeln sieht man nicht ...

5. Oktober 2002, 20:21
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Reagiert wird nur auf auffälliges Verhalten - "stille Störungen" der kindlichen Psyche werden in vielen Fällen übersehen

Würzburg - Psychische Störungen bei stillen Kindern werden nach Expertenansicht in vielen Fällen übersehen. "Bei Kindern, die nicht mit ihrem Verhalten stören, fallen Eltern und Lehrern Angstzustände oder Depressionen leider oft nicht auf", sagte Andreas Warnke, Leiter der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie der Universität Würzburg. So genannte "stille Störungen" sind Thema einer an diesem Montag in Würzburg beginnenden Tagung mit rund 300 Experten.

Mitarbeiter von Jugendhilfeeinrichtungen, Kinder- und Jugendärzte, Psychologen, Wissenschaftler und Lehrer beschäftigen sich dabei unter anderem mit dem Problem des Schulschwänzens. Häufig schwänzten Kinder nicht deshalb die Schule, weil sie keine Lust dazu haben, sondern weil sie die Schule fürchten, erklärt Warnke. "Dass solche Schüler von der Polizei aufgegriffen werden, löst das Problem nicht. Es muss in jedem Fall eine Diagnostik und Behandlung folgen", sagte der Klinikdirektor. Das Problem werde unterschätzt.

Die Kinder seien vielleicht überfordert, erlebten die Schule als einen Ort des Misserfolgs, litten unter Zwängen oder würden von Mitschülern gehänselt. "Das Kind sagt aber vielleicht nicht, dass es Angst hat", erläutert Warnke. Warnsignale für die Eltern sind nach Ansicht des Experten Bauch- und Kopfweh sowie Appetitlosigkeit des Kindes, die gehäuft zu den morgendlichen Schulzeiten auftauchten, nicht aber am Wochenende, abends oder in den Ferien. (APA/dpa)

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